Weber, 30, ist Mitgründer des Start-ups Nimbus Health, das sich seit 2019 auf Einfuhr und Handel von medizinischen Cannabis-Produkten spezialisiert.

SPIEGEL: Herr Weber, wann haben Sie zuletzt einen Joint geraucht?

Weber: Das Rauchen gibt mir nicht viel, es macht mich nur müde. Ich bin aus medizinischen Gründen ein Freund der Pflanze. Und ich bin kein Patient, dem Cannabis verschrieben wird.

SPIEGEL: Ihr Unternehmen importiert Cannabis-Produkte und vertreibt sie über deutsche Apotheken und Arztpraxen. Wie gut läuft das Geschäft?

Weber: Etwa 5000 Ärzte und Ärztinnen verschreiben Produkte mit Cannabinoiden und Cannabisblüten. Das ist erst mal ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber die Akzeptanz steigt mit jedem Jahr. Es geht schließlich um ein Medizinprodukt, nicht um eine Zeitreise in die 68er. Das verstehen die Ärzte auch. Für 2022 rechnen wir mit einer Vervierfachung des Umsatzes.

SPIEGEL: Dennoch ist Cannabis ein Nischenmarkt.

Weber: Die Produkte, die wir vertreiben, könnten schon jetzt bei über 55 Symptomatiken wirken, etwa bei chronischen Schmerzen, Schlaflosigkeit oder Multipler Sklerose. Ich kann mir gut vorstellen, dass in ein paar Jahren fast jeder Mensch in Deutschland täglich Cannabinoid-Tropfen zu sich nimmt – so wie heute viele andere Arznei- oder Ergänzungsmittel einnehmen.

SPIEGEL: An den Börsen entwickelte sich im vergangenen Jahr geradezu ein Hype. Ist das nachhaltig?

Weber: Nein, da sind viele Cannabis-Cowboys unterwegs, die versuchen, einen Traum zu verkaufen: Jeder kifft, ein Kiosk an jeder Straßenecke, Milliardenmärkte überall. Das ist nicht realistisch. In Deutschland bewegen wir uns auf einem regulierten pharmazeutischen Markt, es geht nicht nur um Gewinne, sondern darum, Patienten und Patientinnen zu helfen.

SPIEGEL: Ein Cannabis-Unternehmer argumentiert gegen die Legalisierung?

Weber: Ich wünsche mir eine Öffnung im Rahmen eines Ibuprofen-Modells, dort bekommt man Dosierungen bis zu 400 Milligramm ohne Rezept. Aber eigene…