In wenigen Wochen endet die aktuelle Legislaturperiode des bisher größten deutschen Bundestags: Im Plenarsaal drängten sich 709 Abgeordnete, in den Bürotrakten sie und ihre Mitarbeiter. Gut möglich, dass sie in den nächsten vier Jahren noch enger zusammenrücken müssen.

Dabei wollte die Groko zumindest das eigentlich verhindert haben. Wie es aussieht, kann sie nur hoffen, dass sie diese Zusage nicht bricht.

Robert Vehrkamp beschäftigt sich schon länger mit dem Bundestagswahlrecht. Für die Bertelsmann-Stiftung hat er Analysen geschrieben, er hat Parteien beraten und sitzt in einem Expertengremium des Bundestags. Jetzt hat er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Bertelsmann-Stiftung eine Analyse vorgelegt, die auf Berechnungen der Website election.de beruht.

Sie zeigt: Selbst wenn die Umfragewerte so bleiben wie momentan, wird der Bundestag womöglich noch größer als derzeit, vielleicht sogar viel größer. Selbst rund 1000 Abgeordnete sind nicht ausgeschlossen.

Minimalkompromiss nach langen Verhandlungen

Intensive Verhandlungen waren vorangegangen, über mehrere Jahre, viele Mahnungen des Bundestagspräsidenten verhallten, bis sich Union und SPD im vergangenen Sommer auf eine Reform des Wahlrechts einigten. Allerdings gerade einmal auf einen Minimalkompromiss, der an verschiedenen Stellschrauben ein kleines bisschen dreht, um, so die Idee, das Problem nicht dauerhaft zu lösen, aber zumindest einen riesigen Bundestag zu verhindern.

Beobachter hatten selbst mit diesem Kompromiss kaum mehr gerechnet, obwohl es gerade die Parteien selbst waren, die ständig betont hatten, dass eine Reform nötig sei. Der Grund dafür ist das deutsche Mischwahlrecht:

Mit der Erststimme wählt man Direktkandidaten in einem der 299 Wahlkreise. Wer die meisten Stimmen bekommt, erhält einen garantierten Platz im Bundestag, egal, wie die eigene Partei abschneidet.

Mit der Zweitstimme wählt man Parteien über deren Landeslisten. Diese Zweitstimme entscheidet über den Sitzanteil