Trotz des Wahlkampfes liegt nun wieder eine politisch relativ ruhige Woche hinter uns. Viele Politikerinnen und Politiker sind gerade im Urlaub. Und wie meistens gibt es mehrere gültige Perspektiven auch auf diesen Umstand: Pausen sind wichtig, auch die Politik braucht Ferien, aber jetzt sollte es so langsam mal losgehen – nicht mit der ganz heißen, aber mit einer heißeren Phase im Wahlkampf.

Okay, die Sache Baerbock war heiß, aber hatte den Effekt, dass es sich Armin Laschet hinter dem ganzen Ärger um seine Konkurrentin allzu gemütlich machen konnte. Im Moment sieht es so aus, als laufe es fast automatisch auf ihn als Kanzler hinaus.

Über die SPD heißt es dauernd, ihr täte eine Phase in der Opposition gut, warum aber wird das so selten über die Union gesagt, die gleich mehrere Maskenaffären zu verantworten hat und klimapolitisch und auch sonst eher ambitionslos vorgeht?

Wäre es nicht jenseits aller parteipolitischen Vorlieben richtig, das Selbstverständnis der CDU/CSU als Kanzlerwahlverein wenigstens im Wahlkampf so zu erschüttern, dass die Union inhaltlich auf Trab kommt?

Wechselstimmung ist noch wichtiger als tatsächlich vollzogene Wechsel, weil sie Ehrgeiz bei allen anfacht, die am politischen Geschäft beteiligt sind.

Die Union hat ihre komfortable Situation, wie gesagt, Annalena Baerbock zu verdanken. Nicht alle Vorwürfe gegen Baerbock sind berechtigt, aber es sind schon welche darunter, mit denen sie sich ernsthaft hat beschäftigen müssen. Nicht deklarierte Einkünfte gehören definitiv dazu, auch ein Verdacht auf Urheberrechtsverletzungen ist keine Kleinigkeit – auch wenn das Team Baerbock hier kurz versuchte, diesen Eindruck zu erwecken.

Das scheint nun als Erkenntnis durchgedrungen zu sein, eine Änderung der Strategie ist erkennbar: Die »Bild»-Zeitung meldet, dass das Baerbock-Buch in der nächsten Auflage mit Quellenverzeichnis erscheinen soll. Robert Habeck springt seiner Co-Chefin mit einem Interview in der heutigen »Süddeutschen Zeitung» bei,…