Rüstungskontroverse
Hat die „Washington Post“ 100 Silos für Atomraketen in China entdeckt oder ist sie auf Sockel für Windmühlen reingefallen?

119 Silos würden das Arsenal Chinas gewaltig verstärken, die „Washington Post“ war alarmiert

© Planet/Center for Nonproliferation Studies / Commons

von Gernot Kramper
10.07.2021, 08:29 Uhr

Die „Washington Post“ glaubte, den Beweis für die lang erwartete nukleare Aufrüstung gefunden zu haben. Doch nun sieht es so aus, als seien die vermeintlichen Silos nur die Sockel von Windkraftanlagen.

Am 30. Juni warnte die „Washington Post“ vor der gelben Gefahr. „China baut mehr als 100 neue Raketensilos in seiner westlichen Wüste, sagen Analysten“, so lautete die Headline. Die Meldung ging um die ganze Welt.

Was war geschehen? In der Wüste Gobi nahe der Stadt Jumen haben Experten des James Martin Center for Nonproliferation Studies in Monterey, Kalifornien, 119 Baustellen entdeckt. In der menschenleeren Gobi bilden die 119 Baustellen ein mathematisch exaktes Muster. „Die 119 nahezu identischen Baustellen weisen Merkmale auf, die denen der bestehenden Startanlagen für Chinas Arsenal an ballistischen Raketen mit Nuklearantrieb entsprechen“ so die Post.

Über 100 Silos wären ein gewaltiger Sprung für China. Der Wirtschaftsgigant ist nämlich ein Atomzwerg und verfügt nur über ein Arsenal von 250 bis 350 Atomwaffen. China macht sich bereit, die USA in allen Bereichen zu überflügeln. Im militärischen Bereich zeigt sich das an einer intensiven Aufrüstung der Marine, die mit Trägergruppen und den modernsten Lenkwaffenzerstörern der Welt ausgerüstet wird. Dazu kommen eigene Stealth-Jets und Ausrüstung von Raketen.

Russische und westliche Experten gehen davon aus, dass auch eine umfassende Modernisierung und ein Ausbau des nuklearen Arsenals geplant ist. Die Anlage käme also zur rechten Zeit.