Zur Begrüßung gibt es Erdbeerkuchen. Markus Jasper, CDU-Kreisgeschäftsführer im westfälischen Borken, hat in sein Büro geladen und erklärt, was seine Heimat ausmacht. Sechs Wahlkreise zählt das Münsterland auf der Karte, hier gebe es glückliche Menschen, sagt Jasper, echte Macher, die größten Viehzuchtflächen Deutschlands und mit zwei Direktkandidatinnen nun wirklich kein Frauenproblem.

Warum man denn ausgerechnet hier über Frauen in der CDU sprechen wolle?

Wegen Anne König. König hat ebenfalls gerade in der Kreisgeschäftsstelle Platz genommen, sie schenkt der kleinen Runde Kaffee ein. Anne König ist 36 Jahre alt, in der Schulleitung einer Gesamtschule und will für die CDU im Wahlkreis Borken II in den Bundestag.

Dass sie es nach Berlin schafft, ist fast ausgemachte Sache: Die Region ist CDU-Stammland, die christdemokratischen Bewerber holen hier verlässlich mehr als 50 Prozent der Erststimmen. Das gilt auch für Königs Vorgänger Johannes Röring, 62, der seit 2005 im Bundestag sitzt. Er wollte wieder antreten, doch König gewann die Kampfkandidatur deutlich, die lokalen Zeitungen schrieben von einer »großen Überraschung« und einer »krachenden Niederlage« für Röring. Zuvor hatte sogar die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« über Königs Ambitionen berichtet – »Der Platzhirsch und die Jägerin« war der Artikel überschrieben.

König erzählt später, sie sei nach der Abstimmung »dankbar und demütig« gewesen. Eine Vorzeigekandidatin: eine junge Frau, die verkrustete Strukturen in der Partei aufbricht – und sich trotzdem bescheiden gibt.

Immerhin ein Drittel der CDU-Landesliste in Nordrhein-Westfalen ist mit Frauen besetzt, so vielen also, wie die Partei laut ihrem Quorum in politische Ämter schicken will. Das ist viel, wenn man sich zum Vergleich die Landesliste der CDU von Sachsen-Anhalt anschaut, auf der gerade einmal eine Frau zu finden ist. Auch in der Unionsfraktion im Bundestag saßen zuletzt nur etwa 20 Prozent Frauen….