Überfall
Präsident Moïse zu Hause erschossen – Ungewissheit in Haiti

Ein Mitglied der Sicherheitskräfte versperrt den Zugang zu der Residenz des haitianischen Präsidenten Moïse. Foto: Joseph Odelyn/AP/dpa

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Haiti steckte in einer Krise aus Armut, Gewalt und Korruption. Nun ist der Staatspräsident in seinem Haus erschossen worden. Die Täter sollen sich als Anti-Drogen-Beamte der USA ausgegeben haben.

Nach der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse sind nach Angaben der Polizei vier mutmaßliche Täter getötet und zwei festgenommen worden.

Die Hintergründe des Attentats blieben zunächst jedoch unklar – ebenso wie die Nachfolge des Staatschefs. Die Regierung des Karibikstaates rief jeweils 15 Tage Belagerungszustand und Staatstrauer aus. Außenminister Claude Joseph unterzeichnete beide Erlasse am Mittwoch als Übergangs-Premierminister. Moïse hatte am Montag Ariel Henry zu Josephs Nachfolger im Amt des Regierungschefs ernannt, Henry war aber bislang nicht vereidigt worden.

Unbekannte waren in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) in die Residenz des 53 Jahre alten Staatschefs Moïse in einem Vorort der Hauptstadt Port-au-Prince eingedrungen und hatten ihn erschossen. Seine Ehefrau Martine wurde verletzt und zur Behandlung in die rund 1000 Kilometer entfernte US-Stadt Miami gebracht, wie Haitis Botschafter in den USA, Bocchit Edmond, internationalen Medien sagte. Die Angreifer seien nach ersten Erkenntnissen Ausländer gewesen, die sich als Angehörige der US-Anti-Drogenbehörde DEA ausgegeben hätten.

Nach Angaben der haitianischen Botschaft in Washington handelte es sich um einen wohl koordinierten Angriff durch eine gut ausgebildete und schwer bewaffnete Gruppe. Joseph sagte in einer Ansprache an die Nation, die Täter hätten Englisch und Spanisch gesprochen. Haitianisches Kreol und Französisch sind Haitis Amtssprachen.