von Florian Schillat
08.07.2021, 15:49 Uhr

Armin Laschet distanziert sich, ohne einen Namen zu nennen und Annalena Baerbock übt Selbstkritik, ohne einen Fehler einzugestehen. Ist das gute Krisenkommunkation zweier Kanzlerkandidaten? 

Es waren acht Worte, nicht mehr und nicht weniger. Doch sie brausten durch den deutschen Blätterwald, schlugen einen Haken im kollektiven Gedächtnis. „Auch nur ein Mensch“, hieß es hier. „Ein Lichtblick“, hieß es dort. „Respekt, Frau Kanzlerin!“, hieß es anerkennend.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte einen Fehler eingestanden. In einer Deutlichkeit, oder Seltenheit, die offenbar die zahlreichen Schlagzeilen rechtfertigte. „Dieser Fehler ist einzig und allein mein Fehler“, sagte sie also Ende März. Merkel bat die Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung, sie übernahm die Verantwortung für das „Osterruhe“-Chaos. Viele zollten ihr dafür großen Respekt, auch eine erzürnte Bundesrepublik, wie ihr Umfragen bescheinigten.    

Die Anwärter auf ihre Nachfolge, Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Die Grünen), dürften sich derart würdigende Worten wünschen. „Lieber keine Meinung“ (Laschet) oder „Bedauern war gestern“ (Baerbock), heißt es bei ihnen. Beide Kanzlerkandidaten haben derzeit mit Krisen umzugehen, die sich zu handfesten Problemen in ihrem Wahlkampf entwickeln könnten – womöglich auch, weil sie klare Worte vermissen lassen.

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Laschet distanziert sich von seinem, nun ja, umstrittenen Parteifreund Hans-Georg Maaßen – ohne seinen Namen zu nennen. Und Baerbock entschuldigt sich, mehr oder weniger, in der Plagiatsdebatte – ohne einen Fehler einzugestehen. Ist das gute Krisenkommunkation zweier Kanzlerkandidaten? „Beide Beispiele sind letztlich…