Die Pandemie hat die Defizite gnadenlos offengelegt: Der deutsche Staat ist träge, seine Verwaltungsstrukturen verkrustet, bei der Digitalisierung hinkt Deutschland in fast allen Bereichen hinterher. Dass das Land einen Modernisierungsschub braucht, da sind sich (fast) alle Parteien einig. Aber wem trauen die Menschen zu, für diesen Schub zu sorgen?

Die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL zeigt: am ehesten noch Annalena Baerbock. Etwa 28 Prozent der Deutschen glauben, dass die Grünenchefin als Kanzlerin Deutschlands Staat und Verwaltung am besten modernisieren könnte. Mit etwas Abstand folgt Armin Laschet, Baerbocks Konkurrent von der Union. Rund 21 Prozent trauen dem CDU-Politiker zu, sein Versprechen von einem »Modernisierungsjahrzehnt« auch umzusetzen.

Allerdings: Im Zeitverlauf gesehen hat Laschet erheblich Boden gegenüber Baerbock gut gemacht. Ende April waren noch rund 37 Prozent der Meinung, dass Baerbock die beste Kanzlerin für eine Modernisierung Deutschlands wäre, Armin Laschet sahen damals nur 13 Prozent als Kanzler des Fortschritts.

Olaf Scholz (SPD) liegt seit Beginn der Befragung auf Platz drei. Etwa 13 Prozent der Befragten glauben, dass er die Modernisierung des Landes am besten voranbringen würde.

Die Umfrage offenbart aber auch, dass sich die Begeisterung über die drei Bewerber in dieser Frage allgemein in Grenzen hält. Die relative Mehrheit, rund 38 Prozent, gab jedenfalls an, dass sie es keinem der drei zutrauen würden, Deutschland zu modernisieren.

Wie wichtig es wäre, dass Staat und Verwaltung fortschrittlicher organisiert werden, hatte der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums kürzlich in einem Gutachten zusammengefasst.

»Deutschland leistet sich in der öffentlichen Verwaltung Strukturen, Prozesse und Denkweisen, die teilweise archaisch anmuten«, heißt es in der Expertise, die im April veröffentlicht wurde. Es komme zu »verschiedenen Formen von Organisationsversagen«. Geld…