Trotz der jüngsten Fortschritte bei den Coronaimpfungen warten immer noch viele Menschen auf einen Impftermin. Besonders Geringverdienende geraten dabei ins Hintertreffen, wie eine Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt, das zur gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gehört.

Demnach gaben im Juni 2021 nur 49 Prozent der Befragten, die sich im untersten Fünftel der Lohnverteilung befinden, an, schon mindestens ihre erste Impfdosis erhalten zu haben. Im Vergleich dazu meldeten bereits 71 Prozent der Besserverdienenden, zumindest eine Impfdosis erhalten zu haben. An der Befragung des Portals Lohnspiegel.de hatten 4500 Beschäftigte teilgenommen.

»Da in den Sommermonaten genügend Impfstoff zur Verfügung steht, müssen jetzt alle Bevölkerungsschichten einen niederschwelligen Zugang zu einer Impfung erhalten«, sagte Aline Zucco, Expertin für Verteilungsfragen am WSI. »Ein Impfangebot am Arbeitsplatz ist dafür ein wichtiger Baustein.«

Laut der Umfrage sind unter den Ungeimpften mit geringen Löhnen viele Beschäftigte, die am Anfang der Pandemie als Heldinnen und Helden der Coronakrise gefeiert wurden. Dazu zählen etwa Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verkauf: Nur gut die Hälfte der dort beschäftigten Befragten (52 Prozent) gab an, bereits mindestens einmal geimpft zu sein.

Nach der Coronavirus-Impfverordnung sollten Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel eigentlich bevorzugt geimpft werden, sie wurden in die Prioritätsgruppe 3 eingeordnet. »Wegen der Aufhebung der Impfpriorisierung sind viele Beschäftigte nicht mehr zum Zuge gekommen. Jetzt finden sich etliche davon offenbar im Dschungel um die Terminvergabe nicht zurecht«, sagt Zucco.

Unter Geringverdienern ist jedoch auch der Anteil derer, die sich nicht impfen lassen wollen, mit neun Prozent deutlich höher als unter Besserverdienenden (vier Prozent). »Wenn der Betriebsarzt während der Arbeitszeit unkompliziert eine Impfung anbietet, lassen sich dadurch viele…