Klimawandel, die Coronapandemie, Digitalisierung – es mangelt nicht an großen Themen für den Bundestagswahlkampf. Momentan bestimmen aber eher Äußerungen über Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und ihr jüngst veröffentlichtes Buch die Debatte. Baerbock soll darin Material aus anderen Quellen übernommen haben. Das brachte ihr große Kritik ein.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hält dies aber für überzogen. »Ich halte das einfach für übertrieben«, sagte der CSU-Politiker der »Süddeutschen Zeitung«. Er plädierte für mehr Gelassenheit im Wahlkampf. »Wie viele Bücher sind geschrieben worden, in denen man aus Programmen, aus anderen Konzepten einfach Dinge wiedergibt. Und nachdem es keine wissenschaftliche Arbeit ist, ist man auch nicht verpflichtet, die Quelle anzugeben«, sagte Seehofer. Es sei zwar durchaus angemessen, ein oder zwei Tage über ein solches Buch zu diskutieren, doch dann »muss es auch mal wieder gut sein«.

Seit Anfang vergangener Woche macht der österreichische Medienrechtler Stefan Weber immer mehr Stellen in Baerbocks Buch »Jetzt. Wie wir unser Land erneuern« publik, an denen sich auffallende sprachliche Ähnlichkeiten zu anderen Veröffentlichungen finden. Weber selbst zählt mittlerweile mehr als 40 Stellen, bei denen der Grad der Ähnlichkeit zur möglichen Vorlage allerdings sehr unterschiedlich ausgeprägt ist: Mal sind die Passagen nahezu wortgleich, mal enthalten sie identische Informationen.

Der Fall überschattet den Wahlkampf der Grünen, zumal auch schon vorher Kritik an Baerbock laut geworden war. So hatte sie Sonderzahlungen verspätet an den Bundestag gemeldet. Zudem mussten Partei und Kandidatin Angaben im Lebenslauf der Kanzlerkandidatin korrigieren.

»Ganz andere Kaliber emotionaler Wahlkampfführung«

Der Innenminister hält es allerdings auch für verfehlt, nun von einem besonders schmutzigen Wahlkampf zu sprechen. Der Wahlkampf 1980 zwischen Franz Josef Strauß (CSU) und Helmut Schmidt (SPD), später mit…