Was aussieht wie ein Camcorder aus den 80ern, ist eine 100.000-Euro-Infrarotkamera, mit der James Turitto einem unsichtbaren Motiv hinterherjagt. Der amerikanische Umweltaktivist sucht in Kooperation mit der Deutschen Umwelthilfe in ganz Europa nach Lecks in Erdgas-Anlagen.

James Turitto, Clean Air Task Force
»Ich glaube, da ist ein Ventil, das nicht ganz geschlossen ist.«

Turittos Aufnahmen machen sichtbar, was bislang meist unbemerkt blieb: die Stellen in der Erdgas-Infrastruktur, an denen klimaschädliches Gas ausströmt, mal sind es kleine Lecks, mal riesige Wolken.

An der Verdichterstation in Mallnow, eine der größten in Deutschland, filmt der 36-Jährige seit einem halben Jahr immer wieder; an diesem Tag findet er zwei vergleichsweise kleine Lecks.

James Turitto, Clean Air Task Force
»Es ist einfach, die großen Ereignisse zu bemerken, aber bei den kleinen Lecks, da kommt viel zusammen. Wenn man bedenkt, dass davon Tausende vorkommen, in ganz Deutschland, ganz Europa, dann summiert sich das.«

Erdgas besteht zu einem Großteil aus Methan. Bis zu 33 Milliarden Kubikmeter davon strömen jährlich durch die Pipeline, aus Sibirien bis nach Mallnow. Hier wird das Gas nachverdichtet und in die deutschen Leitungen gepumpt. Bei Förderung, Verarbeitung und Transport wird mutmaßlich sehr viel Methan freigesetzt.

Constantin Zerger, Deutsche Umwelthilfe
»Uns geht es darum, dass die Lüge vom sauberen Gas aufhört, dass klar wird, dass es auch hier um einen fossilen Energieträger geht, aus dem wir aussteigen müssen und bei dem wir alle Emissionen abstellen müssen. Was wir dafür brauchen sind unabhängige Messungen und mehr Kontrollen der betroffenen Unternehmen und wir brauchen endlich einen rechtlichen Rahmen, der die Unternehmen zwingt, Reduktionsmaßnahmen zu unternehmen.«

Wie viel Methan unbemerkt an Leitungen, Verdichteranlagen und sonstiger Infrastruktur austritt, weiß noch niemand – für die USA vermuten Wissenschaftler, dass die wahren Methan-Emissionen rund 60 % über den…