Beim TSV Lehnerz in Fulda werden sie das Fußball-Länderspiel der Deutschen gegen England mit besonderer Begeisterung beobachten. Und sie werden darauf warten, dass der junge Mann mit dem schwarzen Lockenkopf an der Seitenlinie erscheint und ins Spiel kommt. Irgendwie ist Jamal Musiala ja noch immer einer von ihnen, obwohl er schon als Siebenjähriger fort ging, als die Familie nach London zog. Doch das Lehnerz-Trikot hing auch in Großbritannien noch über seinem Bett, als er schon beim großen FC Chelsea kickte, wie es Mutter Carolin Musiala einmal der „Osthessen-Zeitung“ verriet.

Eine Ehre 

In Stuttgart geboren, in Fulda groß geworden, nach England übergesiedelt, zunächst Fußball in Southampton, dann von Chelsea gescoutet – und schließlich, nach acht Jahren auf der Insel, zurück nach Deutschland. Wer sich Interviews von Musiala anhört, den beeindruckt vor allem die Bescheidenheit, mit der dieses Supertalent seine bisherige Laufbahn schildert. Es sei „schon ein Schock“ gewesen, dass der FC Bayern an ihm im Alter von 16 Jahren interessiert gewesen sei. „Es ist eine honour, hier zu sein“, sagte Musiala in der Mischung aus Deutsch und Englisch, in die er manchmal verfällt. Eine Ehre.

Für die U21 noch im englischen Trikot: Musiala 2020 bei einem Spiel in Wolverhampton

Das sagt einer, um den der englische und der bundesdeutsche Fußballverband gebuhlt haben wie um wenige Nachwuchskicker. In der U15 wurde Musiala erstmals in die englische Auswahl berufen. Mannschaftskamerad damals: Jude Bellingham, den er nun im EM-Achtelfinale England gegen Deutschland in Wembley wiedertreffen wird. „Und nach dem Spiel machen wir den Trikottausch“, habe ihm sein Freund schon angekündigt. Nachzulesen ist das auf der Homepage des DFB unter der Überschrift mit dem Zitat von Musiala: „Normal ist das nicht.“ Da ist sie wieder, die Bescheidenheit.

Eleganter Haken

Rückblick, es ist Dienstag, 22. Juni 2021. In der 82. Minute kommt Musiala in der Münchener Arena für die deutsche…