Die deutschen Importpreise sind im Mai so stark gestiegen wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. Die Einfuhrpreise stiegen um 11,8 Prozent binnen Jahresfrist, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Eine höhere Zunahme hatte es zuletzt im Oktober 1981 in der zweiten Ölpreiskrise gegeben (plus 13,6 Prozent).

Experten erwarten, dass sich trotz des Preisdrucks die für die Verbraucher spürbare Inflation deutlich weniger erhöht. Der starke Anstieg der importierten Inflation geht vor allem auf die Entwicklung bei der Energie zurück: Sie war etwa doppelt so teuer wie im Mai 2020.

»Dieser Anstieg begründet sich durch das außerordentlich niedrige Preisniveau des Vergleichsmonats«, teilten die Statistiker mit. Damals hatte die Nachfrage aufgrund der Coronarezession ihren Tiefpunkt erreicht, bei einem gleichzeitig starken Angebotsüberhang.

Erdöl verteuerte sich mit 135 Prozent besonders stark, ebenso Mineralölerzeugnisse mit gut 71 Prozent und Erdgas mit fast 100 Prozent. Elektrischer Strom kostete im Import fast 200 Prozent mehr. Ohne Berücksichtigung der Energie kletterten die Einfuhrpreise im Mai nur um 6,0 Prozent.

Bestimmte Vorprodukte werden knapp

Der Anstieg der Energiepreise dürfte sich wegen der Entwicklung im Coronajahr 2020 demnächst abflachen, sagte DekaBank-Experte Kristian Tödtmann. Bei Vorleistungsgütern hingegen dürfte es länger dauern, bis sich die Preise wieder normalisieren. »An bestimmte Vorprodukte kommt man kaum noch heran.« Firmen würden aber mit Rücksicht auf Marktanteile die höheren Preise nur sehr vorsichtig an Verbraucher weiterreichen. Konsumgüter verteuerten sich deshalb kaum, sagte Analyst Tödtmann. »Preise auf Verbraucherebene sind wesentlich träger und schwanken nicht so stark wie auf Erzeugerebene.«

Vorleistungsgüter verteuerten sich im Mai mit 15,4 Prozent weit überdurchschnittlich. Dabei kosteten vor allem Eisenerze (plus 83,6 Prozent), Kupfer (plus 65,1 Prozent), Kunststoffe (plus 42,9 Prozent) sowie Roheisen,…