Angela Merkel erklärte am Mittwoch im Bundestag, wie sie den PCR-Test versteht. Anlass war eine neue Studie, derzufolge ein positiver Test in der Mehrzahl der Fälle keine Infektiosität nachweist. Merkel begründete ihre Ansicht, dass der Test dennoch „hervorragend“ sei, mit Aussagen von Christian Drosten in einem aktuellen Interview. Darin kritisierte dieser jedoch indirekt die Regierung, die ein bereits im Herbst 2020 von ihm entwickeltes Instrument zur Standardisierung der Tests nicht zum Einsatz bringt.

Ein Kommentar von Paul Schreyer.

Ein Video der Regierungsbefragung vom Mittwoch kursiert derzeit im Internet. Die Kanzlerin erklärt darin einem AfD-Abgeordneten den PCR-Test, verspricht sich dabei mehrfach und wirkt fahrig. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass Merkel ausgesprochen gut informiert ist.

Der AfD-Abgeordnete Sebastian Münzenmaier hatte sie im Bundestag mit einer vor kurzem veröffentlichten Studie der Universität Duisburg-Essen konfrontiert, wo Forscher nach Auswertung der PCR-Tests von mehr als 160.000 Menschen, die im Zeitraum von März bis Dezember 2020 durchgeführt worden waren, zum Ergebnis kamen, „dass mehr als die Hälfte der Personen mit positiven PCR-Testergebnissen wahrscheinlich nicht infektiös waren“.

Epidemische Lüge nationaler Tragweite?

Konkret wiesen die Tests von 60 Prozent der Personen Ct-Werte von 25 und höher auf, was ein Anzeichen niedriger Viruslast und fehlender Infektiosität ist. In der Zeit von Anfang März bis Anfang Mai 2020, also während der sogenannten ersten Welle, waren demnach sogar 78 Prozent (!) der Getesteten „sehr wahrscheinlich nicht mehr ansteckend“. Entsprechend müssten, so darf ein Beobachter wohl schlussfolgern, die Fallzahlen in dieser Zeit um 78 Prozent nach unten korrigiert werden. Eine „epidemische Lage nationaler Tragweite“ hätte damit im Frühjahr 2020 zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Der Hauptautor der Studie, Prof. Dr. Andreas Stang, Direktor des…