In der K.o.-Phase der EM fliegen fast alle Teams für ihre Partien quer durch Europa. Und die Zuschauer folgen ihnen. In Zeiten von Corona ein verheerendes Signal.

Für die Spieler belastend, für die Fans ein Ärgernis – und aus Klima- und Pandemie-Sicht ohnehin eine ganz schlechte Idee: Mit der steigenden Zahl an Reisen kreuz und quer über den Kontinent in der K.o.-Phase der Fußball-EM wächst auch die Kritik am Spielplan mit Partien in elf Städten in ganz Europa. „Das ist eine Tragödie, diese Flüge, es ist verrückt“, sagte der tschechische Nationalspieler Patrik Schick. Für den Leverkusener und seine Teamkollegen ging es nach dem Viertelfinal-Einzug in Budapest über 500 Kilometer zurück nach Prag, um dann ins rund 3500 Kilometer entfernte Baku zu fliegen.

„Vor allem die Reisen sind ein Problem“

„Ich finde das Signal vor allem mit Blick auf die Pandemie verheerend, aber auch mit Blick auf die Klima-Belastung“, sagte Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik bei der Umweltschutzorganisation „Bund“, der Nachrichtenagentur DPA. „Ganz davon abgesehen, dass wir die Delta-Variante quer durch Europa tragen, ist es natürlich auch mit Blick auf die CO2-Emissionen nicht besonders sinnvoll, eine Europameisterschaft auf den ganzen Kontinent zu verteilen.“

Vor allem die Reisen der Fans kreuz und quer durch Europa seien ein Problem. „Das ist natürlich ein fatales Zeichen“, sagte Hilgenberg. Tausende Kilometer im Flugzeug für ein Fußball-Spiel zurückzulegen, sei „einfach nicht mehr zeitgemäß“. Dazu kommt in Pandemie-Zeiten die Sorge vor Ansteckungen bei Spielen vor Zehntausenden Fans etwa im Virusvariantengebiet London. „Es ist ein Stück aus dem Tollhaus, dass nun ausgerechnet im Corona-Sommer eine EM quer über den Kontinent mit Reiseverkehr von Fans, Mannschaften und dem ganzen Tross drumherum stattfindet“, sagte SPD-Vize Kevin Kühnert RTL/ntv.