Zu einer Zeit, als sich CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder noch in der Kanzlerfrage stritten, gab es einen heimlichen Dritten: Einige in der Union wollten lieber Gesundheitsminister Jens Spahn als Kanzlerkandidat sehen. Am Ende setze sich Laschet durch, Spahn hingegen steht seit Wochen in der Kritik für sein Corona-Management.

Einer jener, die öffentlich Spahn unterstützt hatten, war auch FDP-Vize Wolfgang Kubicki. Der bereut das nun. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass er Spahn überschätzt habe, sagte Kubicki der »Augsburger Allgemeinen«. »Das war eine meiner großen Fehleinschätzungen – und auch eine persönliche Enttäuschung.« Kubicki hatte sich einst für Spahn als Kandidaten der Union ausgesprochen. Im Verlauf der Pandemie forderte er dessen Entlassung.

Spahn wird unter anderem für den Umgang mit Masken kritisiert: Sein Haus kaufte im vergangenen Frühjahr erst zu spät, dann laut Bundesrechnungshof zu teuer ein. Deals wickelte Spahn dabei auch über seinen Ehemann ab. Später deckte der SPIEGEL auf, dass Spahn versucht hatte, mehrere als ungeeignet eingestufte Masken an Obdachlose und Hartz-IV-Empfangende weiterzugeben.

Der Minister sei »Opfer der eigenen Hybris«, sagte Kubicki mit Blick auf den Umgang Spahns mit der Coronakrise. »In vielen zentralen Punkten hat das Ministerium versagt, an dessen Spitze er steht.«

Nach Einschätzung Kubickis wäre für die Wahlchancen der FDP Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) der beste Kanzlerkandidat der Union gewesen. »Für mich als Norddeutschen wäre Markus Söder ein Gottesgeschenk gewesen, denn sein großmäuliges Auftreten hätte der FDP in Schleswig-Holstein mächtig Stimmen gebracht«, sagte er. Doch ob er bessere Chancen als Laschet hat, bezweifelt der FDP-Politiker: »In Bayern ist Markus Söder ein König, in Berlin wäre er ein Zwerg.«