Bunter Anzug, zumeist mit Einstecktuch, das ist das Markenzeichen von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung. Legendär ist auch sein prall gefülltes Adressbuch: Ndikung gilt als gut vernetzt. Sein Ruf als politisch denkender Kurator eilt ihm voraus. Was Wunder, wenn ihn Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) als „Glücksgriff” bezeichnet – denn Ndikung soll die Nachfolge von Bernd Scherer antreten, als Intendant der „Schwangeren Auster“, wie das Berliner Haus der Kulturen der Welt im Volksmund heißt, Dienstbeginn: 1. Januar 2023.

Bis dahin geht noch Zeit ins Land. Ndikung ist 44 und hat eine starke Präsenz. Er kann sich gut durchsetzen – auch in der Kunst, die für ihn ein Feld der gesellschaftlichen Auseinandersetzung darstellt. Kunst ist für ihn „die höchste Form von Politik“, zugleich aber eine „universelle Sprache, die von fast allen Menschen verstanden wird.“

Das Berliner Haus der Kulturen der Welt

Die Potenziale von Kunst nutzen

Kunst habe auch das Potenzial zu versöhnen. Darauf weist Ndikung im DW-Gespräch hin, wenn er von der Biennale im niederländischen Sonsbeek spricht, die er zurzeit kuratiert, oder von der Weltkunstschau Documenta 14, die er als Ko-Kurator mitgestaltet hat. Beide entstanden aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs, die Kunst sollte Menschen wieder verbinden. Die Foto-Biennale in Mamako, Ausstellungen in Algier und Dakar oder auch der finnische Pavillon auf der Kunst-Biennale von Venedig – sie alle trugen schon Ndikungs kuratorische Handschrift.

Auf einem Politikfeld, wo Versöhnung nötig ist, kennt er sich aus – dem Umgang Deutschlands mit seiner kolonialen Vergangenheit. Der 2009 von Ndikung gegründete Veranstaltungsraum Savvy Contemporary im Berliner Wedding hat soeben die Ausstellung „For the Phoenix To Find Its Form In Us“ eröffnet – als Kommentar zur aktuellen Restitutionsdebatte. „In der Schau geht es um Restitution als Rehabilitation, auch als Reparation“, sagt Ndikung. Ein streitbares Statement: Nach jahrlangem Zögern…