Wo ein starker politischer Wille ist, kann es auf einmal ganz schnell gehen. Nach Deutschland, Frankreich und den Niederlanden hat sich nun auch Belgien entschlossen, geraubte Kulturgüter aus der Kolonialzeit zurückzugeben. Dabei geht das Land weiter, als es die anderen bisher getan haben. Denn während andere Länder häufig erst einmal prüfen wollen, ob und wie Objekte Stück für Stück an ihre Herkunftsländer zurückgegeben werden sollen, ließ die belgische Regierung verlauten: Alle Objekte, die aus einem kolonialen Unrechtskontext stammen, sind per sofort juristisches Eigentum der Demokratischen Republik Kongo.

Konkret betrifft das bislang allerdings nur 883 der insgesamt 80.000 Objekte, die derzeit noch im staatlichen Afrika-Museum in Tervuren lagern und die in der Zeit von 1885 bis 1960 ihren Weg aus dem zentralafrikanischen Land nach Belgien fanden.

Es handelt sich hauptsächlich um Masken und Statuen. 300 können zweifelsfrei, circa 500 höchstwahrscheinlich als Raubgut eingestuft werden. „Sie stammen aus Sammlungen von Personen des Militärs, etwa Leutnant Storms, die vor 1908 im Freistaat Kongo waren“, präzisiert der Generaldirektor des Museums in Tervuren, Guido Gryseels, gegenüber der DW. „Bei diesen Militärs ist die illegale Aneignung mehr als wahrscheinlich.“

Grausame Kolonialgeschichte Belgiens

Besonders die Herrschaft unter dem belgischen König Leopold II. (1835-1909) im damaligen „Kongo-Freistaat“ war so brutal, dass selbst Zeitgenossen entsetzt protestierten: So dokumentierten etwa einige Missionare mit Fotos und Texten die Grausamkeit, mit der Menschen und Land ausgebeutet wurden.

Der Angestellte einer Reederei, Edmund Dene Morel, ging Anfang des 20. Jahrhunderts sogar an die europäische Öffentlichkeit: Fotos von abgehackten Händen von Kongolesen, die so auf den Kautschukplantagen sanktioniert wurden, machten die Runde.

„Kongo-Gräuel“: Zwei Kongolesen halten 1904 die abgehackten Hände von zwei getöteten Wachleuten hoch

Bei den so…