Online-Kartendienst
Wie Menschen sich über Google Maps mit ihren verstorbenen Angehörigen verbunden fühlen

Fahrzeug von Google Street View bei einer Aufzeichnungsfahrt

© Fotostand / Gelhot / Picture Alliance

von Eugen Epp

27.06.2021, 14:06 Uhr

Mit seinem Kartendienst Street View möchte Google die ganze Welt abbilden. Für einige User hat der Service noch eine andere Funktion: Sie begegnen dort ihren verstorbenen Liebsten.

Wenn Sheri Turner die Sehnsucht nach ihrer verstorbenen Mutter überkommt, geht sie nicht auf den Friedhof. Die US-Amerikanerin ruft dann die Seite von Google Maps auf und sucht bei dem Online-Kartendienst nach dem Haus, in dem sie aufgewachsen ist. Dort ist in der Street-View-Ansicht ein Bild aus dem Jahr 2009 abgespeichert.

In Turner löst das viele Erinnerungen aus: „In ihrem Schlafzimmer brennt noch Licht. Es ist immer noch ihr Haus, sie lebt noch, ich besuche sie immer noch alle paar Monate“, schreibt sie in einem Tweet, der mittlerweile zehntausende Mal geteilt worden ist. „Es gibt noch keine Pandemie, keine anderen Tode, keine unentdeckten Krankheiten.“ Google Maps ist für Sheri Turner ein wichtiges Instrument, um die Erinnerung an ihre Mutter wachzuhalten und ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen.

Internetuser finden Bilder von Angehörigen

Die Autorin aus den USA ist nicht die einzige, die sich auf diese Weise geliebten Personen verbunden fühlt. Ab 2007 erweiterte Google den Kartendienst Maps sukzessive um das damals nicht unumstrittene Google Street View. Mit Kameras ausgestattete Autos nahmen Bilder von Straßen und Häusern auf, die dann online abrufbar waren. In Deutschland wurden aus Datenschutzgründen nur Großstädte erfasst. Andere Länder hingegen lassen sich fast vollständig via Street View erkunden. Und vielerorts sind nicht nur Straßen, Autos und Gebäude zu sehen, sondern auch Menschen und Tiere, die in…