Ronaldo blickt in den Himmel, die Hände in die Seiten gestützt – die Enttäuschung ist greifbar. Sein langjähriger Teamkollege Pepe lässt Sekunden nach dem Abpfiff einfach den Kopf hängen. Beide wissen: dieser Abend in Sevilla war ihr letzter Tanz. Portugals goldene Generation, die Titelverteidiger, werden die Bühne einer Europameisterschaft nicht mehr betreten. Dabei kann man den alten Männern – Ronaldo ist 36 Jahre alt, Pepe sogar 38 Jahre – nichts vorwerfen. Mit aller Leidenschaft haben sie sich gegen die Niederlage gestemmt. Ronaldo schoss Freistöße, passte, flankte und suchte bis zur letzten Sekunde selbst den Abschluss, doch in Sevilla fehlte ihm und seiner Mannschaft das Glück. 

Dafür darf Belgiens goldene Generation nach dem knappen 1:0 (1:0)-Erfolg ihren Traum weiter verfolgen: endlich einen Titel holen. 2018 bei der Weltmeisterschaft scheiterten die spektakuläre spielenden „Roten Teufel“ im Halbfinale noch an nüchternen Franzosen. Diese Lektion haben die Belgier mit in diese EURO genommen. Nicht unbedingt schön spielen, aber gewinnen war ihr Motto.

Effizienz statt Schönheit

Dieses Achtelfinale bot keinen Rausch, kein wildes Hin und Her – Effizienz war das Stichwort. Das kam nicht von ungefähr: in der Vorrunde hatten beide Teams schon gezeigt wie es geht. Die portugiesische Elf von Coach Fernando Santos war mit nur vier Torschüssen pro Treffer das effizienteste Team. Ronaldo mit fünf Toren aus nur elf Abschlüssen der effizienteste Spieler. Platz zwei hinter Portugal in dieser Statistik: Belgien. 

In der ersten Hälfte machten die Portugiesen mehr fürs Spiel erarbeiteten sich ein Chancenplus. Richtig bemerkenswertes passierte jedoch erst kurz vor der Pause. Erst ließ Belgiens Keeper Courtois den heranstürmenden Ronaldo lässig aussteigen. Sein folgender Abschlag landete über Abpraller und Umwege bei Thorgan Hazard auf dem linken Flügel. Der Profi von Borussia Dortmund dribbelte nach innen, zog ab und traf zur etwas überraschenden Führung ins…