Es gab diesen Moment, in dem es so aussah, als könnten sie es schaffen. Als könnten die Grünen stärkste Kraft werden. Während sich die Union im Streit um ihren Kanzlerkandidaten selbst demontierte und die SPD und ihr Kandidat Olaf Scholz schon wieder in Vergessenheit zu geraten schienen, trat Annalena Baerbock hervor.

Ohne Drama, ohne Streit. Die Grünen zeigten sich diszipliniert und geschlossen, vereint in der Begeisterung für ihre Kandidatin. Und auch die Umfragen gaben ihnen zunächst recht. Die Partei zog im April und Mai in mehreren Umfragen an der Union vorbei.

Schon damals mahnte der grüne Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz allerdings auf Twitter, die Umfragewerte seien zwar erfreulich. »Aber sie zeigen vor allem, wie volatil die Stimmung ist.« Er sollte recht behalten.

Seit einigen Wochen wendet sich das Blatt: Die Union holte sich nicht nur die Führung zurück, sondern vergrößert ihren Abstand auf die Grünen stetig. Eine aktuelle Umfrage von INSA sieht die Grünen gar unter 20 Prozent – und damit neun Prozentpunkte hinter CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und fast gleichauf mit der SPD.

Baerbock ist in einer anderen Position als ihre Konkurrenz

Damit zeigt sich einerseits tatsächlich, wie wechselhaft die Stimmung unter Wählerinnen und Wählern drei Monate vor der Bundestagswahl ist und wie viel im Wahlkampf noch passieren kann. Andererseits deutet die Entwicklung der Umfragen wohl auch auf die spezielle Stellung der Grünen im Kampf um das Kanzleramt hin.

Annalena Baerbock bewirbt sich aus einer gänzlich anderen Position heraus um Angela Merkels Nachfolge als ihre Konkurrenten Laschet und Scholz. Baerbock ist die einzige Kandidatin, die aus der Opposition heraus um das Kanzleramt kämpft. Seit 2005 waren die Grünen nicht mehr an einer Bundesregierung beteiligt. Dazu kommt: Baerbock ist die einzige Kandidatin ohne eigene Regierungserfahrung.

Während SPD und Union also eine Aura des Gewohnten umgibt, sind die Grünen die…