In „Der Cousin“ behandelt die im Iran geborene, in Deutschland aufgewachsene und in Österreich lebende Schriftstellerin Nava Ebrahimi die Fluchtgeschichte eines schwulen Tänzers. In der Juryentscheidung heißt es, Ebrahimi behandle damit auch eine der aktuellen Kernfragen, nämlich wie viel Show es brauche, damit Botschaften überhaupt noch wahrgenommen würden.

Vierzehn Autorinnen und Autoren haben am Wettlesen in Klagenfurt teilgenommen, darunter sieben aus Deutschland. 

Ein eigenwilliger Wettbewerb

MIt dem Ingeborg-Bachmann-Preishatten deutschsprachige Autorinnen und Autoren bereits ihren ersten eigenwilligen Talentwettbewerb, als an Castingshows im Fernsehen noch gar nicht zu denken war.

Ingeborg-Bachmann-Preis: 25 Minuten lesen die Autorinnen und Autoren aus einem unveröffentlichten Werk

Nun ist die Veranstaltung, die seit 1977 jährlich im österreichischen Klagenfurt gastiert, keine schrille Show mit Topmodels, schiefem Gesang oder Tanzeinlagen, sondern eine auf den ersten Blick eher trockene Angelegenheit.

Pro Text eine knappe Stunde

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lesen 25 Minuten lang einen ihrer unveröffentlichten Texte. Die gesamte Lesung wird fürs Fernsehen in Echtzeit gefilmt – ohne Spezialeffekte, Schnittbilder oder dramatische Tonspur.

Die Autorinnen und Autoren sitzen dabei vor den Jurorinnen und Juroren an einem Tisch – gewöhnlich vor einem Live-Publikum. 2020 gab es die Lesungen wegen der Pandemie nur online, in diesem Jahr ist es eine Hybrid-Version.

Preisträgerin: Sharon Dodua Otoo gewann 2016

Wie in den TV-Castinghows reagieren die Jurymitglieder direkt nach dem „Auftritt“ auf den jeweiligen Text. Doch statt ihre Meinung in ein oder zwei knappen Sätzen zusammenzufassen, beschäftigen auch sie sich rund 25 weitere Minuten mit dem Inhalt des Textes.

Dating der Verlagsbranche

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