Niklas Kolorz erklärt sperrige Wissenschaftsthemen in weniger als sechzig Sekunden.Das allein ist bemerkenswert und dafür hat er zurecht den Grimme Online Award in der Kategorie „Wissenschaft und Bildung“ und den Publikumspreis abgeräumt.

Doch die größte Überraschung des Abends war, dass der Moderator seine schnellen und geistreichen Clips auf der Internetplattform Tiktok präsentiert. Das Videoportal wäre vor noch gar nicht allzu langer Zeit vermutlich noch nicht als preiswürdig betrachtet worden.

Tiktok wird gesellschaftsfähig

Kolorz berichtete bei der per Livestream im Internet übertragenen Veranstaltung, dass ihm die Idee im zweiten Corona-Lockdown gekommen sei. „Ich wollte einfach irgendeinen kreativen Ausgleich schaffen.“ Das habe eine unglaubliche Resonanz gefunden: „Nach acht Tagen hatte ich das erste virale Video mit 800.000 Aufrufen, und von da an ist der Kanal explodiert, das ist der Wahnsinn.“

Tiktok gehört dem chinesischen Konzern Bytedance und wurde zur ersten globalen Online-Plattform in der Hand eines nicht-amerikanischen Konzerns. Sie ist vor allem bei jungen Nutzern populär. Die Auszeichnung macht deutlich, dass sich die Wahrnehmung von Tiktok mittlerweile verändert hat.

Schulleiter als Entertainer

In der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ wurde eine besonders kreative Antwort auf die Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie ausgezeichnet. Björn Lengwenus, Leiter einer Schule in Hamburg-Dulsberg, ging während der Schulschließungen sechs Wochen lang mit der allabendlichen Youtube-Show „Dulsberg Late Night“ auf Sendung. Aus der leeren Aula der Schule schaltete er Schüler zu, führte auch schon mal ein Tänzchen auf, schlüpfte in ein Osterhasen-Kostüm und stärkte so den Zusammenhalt im Lockdown.

Schulleiter Björn Lengwenus mit seiner Frau Sandra (Archiv)

Lengwenus hatte für seine Initiative bereits die Goldene Kamera erhalten. Entertainer-Qualitäten würden Lehrerinnen und Lehrern auf jeden Fall zugutekommen, sagte der Pädagoge bei…