Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte neben der literarischen Leistung auch die Verdienste der Schriftstellerin um ihre Heimat Belarus. „Seine Menschen sind uns nah, sie verdienen unsere Aufmerksamkeit und unsere Unterstützung“, sagte Steinmeier bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Schloss Bellevue.

Das Leid, das Deutschland im Zweiten Weltkrieg über Belarus gebracht habe, sei „kaum je eindrücklicher erzählt worden“ als in Alexijewitschs Buch „Die letzten Zeugen“. Er wünsche sich, dass mehr Menschen in Deutschland das Buch lesen würden.

Tausende protestierten im Herbst 2020 in Belarus gegen Präsident Alexander Lukaschenko

Leid als Antrieb

Die Proteste der Demokratiebewegung in Belarus im vergangenen Jahr hätten gezeigt, dass Freiheit auf der Straße gefeiert werde, aber im Alltag gelebt sein wolle. „Wir haben über Ihr Land in diesem vergangenen Jahr mehr gelernt als wir je zuvor wussten.“

Swetlana Alexijewitsch bedankte sich „für dieses unerwartete Geschenk“. Sie leiste eine bescheidene Arbeit, da es nicht möglich sei, das in der ehemaligen Sowjetunion erzeugte Leid und Blut mit Worten zu stemmen.

Das menschliche Leid sei der eigentliche Reichtum Russlands, sagte die Schriftstellerin, die dem Präsidium des Koordinierungsrats der belarussischen Opposition angehört und sich seit September 2020 in Deutschland aufhält. „Dieses Leid hat mich dazu gebracht, diesen Weg zu gehen.“

Menschen werden zu Monstern

Der Kommunismus sei bereit zu einem letzten Kampf, warnte Alexijewitsch. Er lebe in den Köpfen von Millionen von Menschen. „Viele sind bereit, Henker zu spielen. Das sind unsere Landsleute.“ Es beschäftige sie, warum Monster aus Menschen hervorkriechen würden, die denunzierten und grausam gegen ihr eigenes Volk handelten.

In Belarus herrsche Verzweiflung und Einsamkeit. Die Oppositionellen seien von der Straße vertrieben worden, würden aber nicht „in den Stall zurückkehren“ und sich der Versklavung beugen: „Sie werden nie…