Nach erzwungener Ryanair-Landung
Bizarre Pressekonferenz: Wie das Lukaschenko-Regime den inhaftierten Aktivisten Protassewitsch vorführt

Das das vom belarussischen staatlich kontrollierten ONT-Kanal zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt den regimekritische Aktivisten und Blogger Roman Protassewitsch, der während seines Interviews mit dem belarussischen Journalisten Marat Markau weint.

© ONT Channel/AP / DPA

von Ellen Ivits

15.06.2021, 17:06 Uhr

Seit drei Wochen befindet sich der belarussische Aktivist Roman Protassewitsch in der Gewalt von Alexander Lukaschenko. Zwei Mal legte er bereits tränenreiche, vermeintliche Geständnisse ab. Nun tauchte er plötzlich bei einer Pressekonferenz auf. Ein denkwürdiger Auftritt. 

Es war ein überraschender Zug, zu dem das belarussische Regime am Montag griff. Auf einer Pressekonferenz in Minsk, auf der Vertreter des belarussischen Untersuchungskomitees, des Verteidigungsministeriums und des Ministeriums für Zivilluftfahrt sprechen sollten, tauchte plötzlich Roman Protassewitsch auf – jener Regierungskritiker und Blogger, dessen Festnahme einen internationalen Skandal ausgelöst hat. Der Administrator des oppositionellen Telegram-Kanals Nexta war am 23. Mai am Flughafen von Minsk gemeinsam mit seiner Freundin festgenommen worden, nachdem die belarussischen Behörden das Ryanair-Flugzeug, in dem sie sich befanden, zur Landung gezwungen hatten. 

Seitdem befindet sich Protassewitsch in der Gewalt des Diktators Alexander Lukaschenko, in dessen Augen er seit August letzten Jahres zu den größten Feinden zählt. Damals stieg Nexta zum wichtigsten Informations- und Organisationskanal der Anti-Lukaschenko-Proteste auf. Umso denkwürdiger fiel nun der Auftritt des 26-Jährigen aus. 

Vor laufenden Kameras beteuerte Protassewitsch, dass er wohlauf sei und im Gefängnis nicht misshandelt werde. Gerüchte,…