1. Schräger Ausblick

Claus Kleber hört als Moderator des »heute-journals« auf. Nach knapp 19 Jahren will er seinen Vertrag beim ZDF nicht über das Jahresende hinaus verlängern. Man sollte sparsam sein mit dieser Formulierung, damit sie nicht vollends zur Floskel verkommt, aber: Damit endet eine Ära.

Unzähligen Journalistenschülerinnen und -schülern war Kleber ein Vorbild. An einer mir näher bekannten Journalistenschule triezte eine Trainerin die Klasse mit der Aufgabe: Moderiert einen Beitrag über den Kongo an, wagt dabei einen Schlenker auf Joseph Conrads Erzählung »Das Herz der Finsternis«, um dann im Aktuellen zu landen. So wie Kleber es gemacht hatte in seiner Sendung. Den Clip zeigte sie in Endlosschleife: Kleber, den Kopf leicht geneigt, den Blick durch die Kamera hindurch ins Wohnzimmer der Zuschauenden gerichtet.

Von Tagesthemen-Ikone Hanns-Joachim Friedrichs stammt die Losung: »Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.« Das wird oft verfälscht zur kontextlosen Forderung, Journalistinnen und Journalisten dürften keine Haltung haben. Meine Kollegin Isabell Hülsen und mein Kollege Alexander Kühn haben mit Kleber mal darüber gesprochen. »Sie werden keine Moderation und kein Interview von mir finden, wo ich versuche, meine private Meinung zu verkaufen«, sagte der ZDF-Mann damals. »Trotzdem ist es eine Täuschung, wenn jemand so tut, als ginge ihn das alles nichts an und sein Tun sei frei von persönlichen Ansichten.«

Alex sagt über Kleber: »Er ordnet abends die Nachrichten ein, die tagsüber auf uns niederprasseln. Redegewandt wie ein römischer Rhetor, hartnäckig wie ein Staatsanwalt, lässig wie Robert Redford.«

Damit zu den Nachrichten:

2. Die Angst vor Delta

Die Delta-Variante dominiert mittlerweile das Corona-Geschehen in Großbritannien, geplante Lockerungen hat die Regierung verschoben. Auch für…