Mehr Tempo beim Klimaschutz sei möglich, hatten Aktivisten und Wissenschaftler in den vergangenen Jahren kritisiert. Es gebe Mehrheiten in der Bevölkerung, es sei technisch machbar und, wenn man es richtig gestaltet, sogar ein gutes Geschäft. Die Bundesregierung müsse es nur wollen.

Lange ist wenig passiert. Jetzt will die Politik auf einmal – weil sie muss.

Das Bundesverfassungsgericht hat die Klimapolitik der Bundesregierung Ende April für in Teilen verfassungswidrig erklärt. Der Richterspruch sei eine »historische Entscheidung«, markiere ein »neues Kapitel«, gar von »Zeitenwende« war die Rede.

Rund einen Monat später verpflichteten Bezirksrichter in Den Haag einen der größten Ölkonzerne der Welt zu mehr Klimaschutz. Das Unternehmen Shell sei, befand das Gericht, für CO₂-Emissionen aus der eigenen Ölförderung verantwortlich. Bis zum Jahr 2030 muss es deshalb die Emissionen um 45 Prozent netto verringern, gemessen am Stand des Jahres 2019.

Was bedeuten diese Urteile für die Bekämpfung der Klimakrise in den kommenden Jahren? Werden oder sollten Gerichte eine zentralere Rolle spielen und wenn ja, was macht das mit der Entscheidungskompetenz der Politik? Ziehen Aktivisten, beflügelt durch ihren Erfolg, nun vermehrt vor Gericht statt auf die Straße?

Diese Fragen diskutieren wir in der ersten Folge von »Klimabericht«, dem neuen wöchentlichen SPIEGEL-Podcast zur Klimakrise, der ab sofort dienstags erscheint, auf SPIEGEL.de und überall, wo es Podcasts gibt.

In der Sendung haben wir Linus Steinmetz von Fridays for Future zu Gast, der zusammen mit anderen die Klage vor dem Verfassungsgericht geführt hat, sowie Susanne Götze, Redakteurin im Wissenschaftsressort.

Beide Urteile könnten der Auftakt zu einer Klagewelle weltweit sein, sagt Susanne Götze. »Es gibt mittlerweile Klima-NGOs, die komplett auf diese Klagen spezialisiert sind und ganze Anwältinnen-Verbände die sich nur mit Klima Klagen beschäftigen.«

Neugierig geworden? Dann hören Sie jetzt…