Die geschlechtergerechte Sprache unterliegt in der deutschen Politik keinem Zwang und keinen Verboten – die Debatte über sie hat sich dennoch zum kleinen Wahlkampfthema gemausert. Nun dürfte eine Entscheidung aus Hamburg neue Impulse in den Streit bringen. Denn in der Hansestadt dürfen Beamtinnen und Beamte in ihren Drucksachen, Mails und Formulierungen künftig eine gendersensible Sprache nutzen.

Der Senat habe die Grundsätze zur Verwaltungssprache von 1995 ergänzt, teilte die Gleichstellungsbehörde mit. Dadurch sollen Anregungen für eine Sprache gegeben werden, die alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht anspreche. Somit können den Angaben zufolge neben geschlechtsneutralen Formulierungen nun auch Gender-Stern oder Gender-Doppelpunkt verwendet werden. Auch für die Anrede gebe es Vorschläge, die ohne Geschlechtsbezeichnung auskommen.

Die Vorschläge können für sämtlichen Schriftverkehr der Verwaltung nach Innen und nach Außen aufgegriffen werden – etwa für Broschüren, Präsentationen, Flyer und Formulare. »Viele Menschen fühlen sich nicht mehr angesprochen, wenn man von ›den Polizisten‹ oder ›den Krankenschwestern‹ spricht«, sagte Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Es gebe Polizistinnen und Krankenpfleger und eben auch Menschen, die diese Berufe ausübten, sich aber weder als Mann oder als Frau einordneten. Nun »geben wir den Mitarbeitenden die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie sie ihr Umfeld adressieren wollen«.

Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2017, wonach niemand gesetzlich gezwungen werden darf, sich zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht zu entscheiden. Seit Ende 2018 ist es daher möglich, dass intergeschlechtliche Personen neben den Angaben »männlich«, »weiblich« oder »keine Angabe« auch »divers« wählen können.

Eine Ausnahme von der Sprachregelung gibt es allerdings: Sie gilt nicht für den Erlass oder die Änderung von Rechts- und…