„Tsurikrufn“ ist ein jiddisches Wort und bedeutet „erinnern“. So nennt sicheine digitale Plattform, die im Internet deutsch-jüdischer Persönlichkeiten gedenkt, die Deutschland vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten gesellschaftlich, kulturell oder künstlerisch vorangebracht haben. Allerdings sind ihre Namen und ihre Leistungen vielfach in Vergessenheit geraten. Im Erinnerungsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ haben sich deshalb verschiedene Museen und Kulturinstitutionen zusammengeschlossen, um diese wichtigen deutsch-jüdischen Persönlichkeiten vorzustellen.

Viele von ihnen berufen sich auf Moses Mendelssohn, den wegweisenden deutsch-jüdischen Philosophen der Aufklärung. Einer seiner Nachfahren, Julius H. Schoeps, setzt sich auch heute noch dafür ein, dass das deutsch-jüdische Kulturerbe bewahrt wird. Der 1942 in Djursholm in Schweden geborene Historiker und Politikwissenschaftler ist Gründungsdirektor des Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam und Vorstandsvorsitzender der Moses Mendelssohn Stiftung. Im DW-Interview erklärt Julius H. Schoeps, wie das Gedenken an dieses Erbe aussehen könnte.

DW: Herr Schoeps, das digitale Erinnerungsprojekt „tsurikrufn.de“ stellt jüdische Persönlichkeiten vor, die Deutschland bis 1933 geprägt haben. Musiker, Journalisten, Mediziner, Filmemacher, Anwälte. Was halten Sie von so einem Projekt?

Ich halte sehr viel von Projekten dieser Art, die versuchen, die deutsch-jüdische Beziehungsgeschichte konkreter zu fassen. Und da gibt es verschiedenste Möglichkeiten: Es kann eine Ausstellung sein, es können Bücher sein oder eben auch ein digitales Projekt.

Julius H. Schoeps ist ein Nachfahre von Moses Mendelssohn

Sie setzen sich dafür ein, dass das deutsch-jüdische Erbe bewahrt wird. Was genau ist unter dem deutschen Judentum zu verstehen?

Ja, das ist die Frage, mit der man sich beschäftigen muss. Was war das deutsche Judentum? Ich argumentiere immer…