Manche Dinge kann man auch mit allem Geld der Welt nicht kaufen. Liebe soll dazugehören, aufgrund der derzeitigen Marktlage aber offenbar auch Mikrochips für Auto-Bordcomputer. Jedenfalls hat sich der Daimler-Konzern – obwohl er das vergangene Jahr mit satten vier Milliarden Euro Gewinn abgeschlossen hat – entschlossen, erneut für viele Mitarbeiter die Kurzarbeiter-Regelung in Anspruch zu nehmen. Es fehle schlicht an Komponenten, um viele Fahrzeuge fertig zu bauen.

Betroffen sind Beschäftigte der Mercedes-Werke in Rastatt und Bremen, wie der Konzern am Dienstag bestätigte. Konkrete Zahlen nannte Daimler nicht. Die Kurzarbeit sei zunächst bis zum Ende der Woche beantragt, erstrecke sich aber jeweils nicht auf die gesamten Standorte. In Bremen sei aber ein Großteil der Beschäftigten betroffen, in Rastatt gehe es um Teilbereiche. Zuvor hatten die »Stuttgarter Zeitung« und die »Stuttgarter Nachrichten« darüber berichtet.

Seit Monaten andauernder Chipmangel

Im Bremer Werk sind mehr als 12.000 Mitarbeiter beschäftigt, in Rastatt rund 6500. Schichtstreichungen gibt es nach Daimler-Angaben in dieser Woche darüber hinaus im Werk im ungarischen Kecskemét, in dem etwa 4700 Menschen arbeiten. Die Mitarbeiter dieser drei und weiterer Daimler-Standorte waren in den vergangenen Monaten vorübergehend immer wieder in die Kurzarbeit geschickt worden.

Die Chipkrise hat weitere deutsche Autobauer hart getroffen: So wurde Mitte Mai bekannt, dass die VW-Tochter Audi die Produktion in Ingolstadt und Neckarsulm einschränken und mehr als zehntausend Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken muss. Zunächst sollte die Maßnahme nur bis Ende Mai gelten, wurde nun allerdings laut Berichten auf Juni ausgedehnt.

Wegen fehlender Halbleiterchips haben auch andere Autohersteller wie Ford, VW und sogar Tesla Schichten absagen und die Fertigung drosseln müssen. Der Chiphersteller Intel hatte gewarnt, die Engpässe könnten mehrere Jahre andauern – auch weil Investitionen nicht sofort greifen.