SPIEGEL: Herr Blasel, Sie wollten einen höheren CO₂-Preis ins Wahlprogramm der Grünen bringen: 80 Euro ab 2022 statt 60 Euro ab 2023, dazu 15 Euro mehr pro Jahr. Es kam zur Abstimmung, Sie haben verloren. Wie schlecht ist das Programm also für den Klimaschutz?

Blasel: Wir haben ein Klimaprogramm, das sich sehen lassen kann. Ich bin mit allem zufrieden oder sehr zufrieden – das einzige, womit ich nicht glücklich bin, ist der CO₂-Preis. Sonst wäre ich nicht in eine Abstimmung gegangen. Aber da kamen nun eben gesellschaftliche Stimmungen dazwischen.

Zur Person

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Foto: AufmDach Fotografie | Fenja Hard/ Fenja Hardel

Jakob Blasel, Jahrgang 2000, gehörte zu den wichtigsten Köpfen von Fridays for Future in Deutschland. Wegen seiner Bundestagskandidatur für die Grünen spricht er nicht mehr für die Bewegung. Er tritt in Schleswig-Holstein auf Platz 8 der Landesliste für die Grünen an.

SPIEGEL: Sie meinen, Sie hätten diesen Antrag gewonnen, hätte es die Aufregung um Spritpreise vor einigen Wochen nicht gegeben?

Blasel: Die Chancen wären besser gewesen. Solche gesellschaftliche Debatten verändern natürlich einen Parteitag.

SPIEGEL: Hätten Sie Ihrer Partei damit nicht nur eine noch heftigere Diskussion im Wahlkampf eingebrockt?

Blasel: Ich bezweifle, dass es für die klimaheuchlerische und wissenschaftsfeindliche Kampagne von Union und SPD einen Unterschied macht, ob der Preis ein paar Euro höher oder niedriger liegt. Das darf uns auch nicht zu verrückt machen. Es geht darum, das zu beschließen, was für das Klima nötig ist.

SPIEGEL: Zeigen die vergangenen Wochen, auch das enttäuschende Grünen-Ergebnis in Sachsen-Anhalt, dass man mit Klimaschutz immer noch nicht mobilisieren kann?

Blasel: Es zeigt auf jeden Fall, dass man immer noch gegen Klimaschutz mobilisieren kann. Vor allem die SPD hat mich mit ihrer Klimaheuchelei enttäuscht. Erst hat sie Maßnahmen beschlossen und sie dann schlechtgeredet. Wir müssen zeigen, dass…