Mehrere Mitglieder der Linkspartei wollen die ehemalige Fraktionschefin Sahra Wagenknecht aus der Partei ausschließen. Nun hat die Parteispitze das Vorhaben scharf kritisiert. »Wir halten den Ausschlussantrag gegen Sahra Wagenknecht nicht für richtig und für nicht gerechtfertigt«, schrieb Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler in einer Mitteilung. Er rief die Linke zur Geschlossenheit auf: Politische Kontroversen trage man durch den Austausch von Argumenten aus und nicht anders.

Die Kritik zielt auf eine Reihe von Genossinnen und Genossen, die ein Parteiausschlussverfahren gegen Wagenknecht beantragt hatten. Das siebenseitige Dokument war am Mittwochabend bei der Landesschiedskommission in NRW eingereicht worden, der SPIEGEL hatte zuerst darüber berichtet. Wagenknecht ist Spitzenkandidatin der NRW-Linken für den Bundestag.

Begründet wird der Antrag damit, dass Wagenknecht der Partei »schweren Schaden« zugefügt habe. Der mehrseitige Antrag beschäftige sich vor allem mit Wagenknechts neuem Buch »Die Selbstgerechten«, hieß es vonseiten der Partei: »Sie weicht in ihrer Kritik von elementaren Grundsätzen der Linken ab.« Ebenso werden verschiedene Interviewauszüge benannt, bei denen Wagenknecht offen lasse, ob sie nach der Bundestagswahl noch in der Partei bleibe.

»Innerparteiliche Differenzen zurückzustellen«

Weiter begründen sie den Ausschluss damit, dass die Linke in NRW seit Wagenknechts Kür zur Spitzenkandidatin 30 Prozent der Wählerstimmen in den Umfragen eingebüßt habe, mehr als hundert Genossen aus dem Landesverband ausgetreten seien.

Wegen ihrer Interviews und des Buchs steht Wagenknecht bei der Linken seit Wochen in der Kritik. Gegnerinnen sehen es als Abrechnung Wagenknechts mit ihrer eigenen Partei – Befürworter sagen, die halte den Grundkurs der Linken hoch.

In Wahlkampfzeiten habe die Auseinandersetzung mit den politischen Kontrahenten Vorrang, begründet nun Linken-Geschäftsführer Schindler die Absage an den Parteiausschluss. »Wir…