1. Bündnisfall, den noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat

Der nächste Krieg könnte im All beginnen: Die Nato will bei Angriffen auf Satelliten künftig den Bündnisfall erklären können, wie mein Kollege Markus Becker berichtet, unser Büroleiter in Brüssel. Der Beschluss soll beim Gipfel mit US-Präsident Biden am Montag fallen. »Damit würde für den Weltraum das Gleiche gelten wie zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Cyberraum«, sagt Generalsekretär Jens Stoltenberg im Interview, das Markus mit ihm geführt hat. »Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle – und kann von allen beantwortet werden.«

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Der Zerstörer »USS Fitzgerald« feuert bei einer Übung eine SM-3-Rakete ab, die auch gegen Satelliten eingesetzt werden kann (Archivbild)

Foto: Smith Collection / Gado / Getty Images

Klingt martialisch und deutet insgesamt in eine Richtung, die mir Sorge bereitet als jemandem, dessen All-Wissen und -Annahmen maßgeblich durch »Star Trek« geprägt wurden. Die Serien und Filme durchzieht die Utopie, dass die Menschheit geeint daran arbeitet, sich selbst zu verbessern, und voller Friedensliebe und Forscherdrang aufbricht zu Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Egal, ob der Captain nun Kirk hieß, Picard, Sisko, Janeway, Archer, Pike oder Saru.

Folgten einer humanistischen Brücken-Ideologie

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Paramount Pictures/ dpa

Immerhin versichert Stoltenberg, keine Waffen im All stationieren zu wollen. Markus sagt: »Es geht vor allem um Abschreckung, damit nicht etwa China oder Russland auf die Idee kommen, westliche Kommunikationssatelliten auszuschalten.« Vielleicht eskaliert die Lage ja wirklich nicht wie im »Star Trek«-Universum. Bevor dort nämlich die Menschheit zu einem friedlichen Selbst findet, muss sie erst den Dritten Weltkrieg überstehen, der 2026 ausbricht und bis 2053 dauert. Zum Glück war die Wirklichkeit oft deutlich gnädiger als die Drehbuchschreiber – die »Eugenischen Kriege« von…