Naturschutz
Erstmals Bartgeier in Deutschland ausgewildert

Das Bartgeierweibchen „Wally“ vor ihrem Transport zum Knittelhorn. Foto: Peter Kneffel/dpa

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Vor gut 100 Jahren haben Menschen sämtliche Bartgeier in den Alpen ausgerottet, nun werden sie mit immensem Aufwand wieder angesiedelt. Das Verfahren ist erprobt – dennoch lauern Gefahren.

Schritt für Schritt hangeln sich die Träger am Fixseil den steilen Hang nach oben. Auf ihrem Rücken fast dreißig Kilogramm schwere Holzkisten – und eine kostbare Fracht: zwei junge Bartgeier, auf dem Weg zu ihrem neuen Zuhause.

Die Tiere werden wenig später in einer Felsnische in künstliche Nester gesetzt und mitsamt Futter und Wasser zurückgelassen. Die beiden Weibchen sind die ersten Bartgeier, die seit mehr als 140 Jahren in Deutschland ihre Kreise über den Berggipfeln ziehen werden.

Entsprechend euphorisch begleiteten Umweltschützer wie Politiker am Donnerstag die Auswilderung im Nationalpark Berchtesgaden. Von einem historischen Meilenstein für den Artenschutz ist immer wieder die Rede. Die Aasfresser mit knapp drei Metern Flügelspannweite wurden in den Alpen vom Menschen komplett ausgerottet, seit 1986 bemüht sich ein grenzübergreifendes Projekt um ihre Wiederansiedlung.

Die aus Spanien stammenden, 88 und 91 Tage alten Jungvögel werden noch etwa einen Monat lang in ihrer Nische sitzen, einem 20 Meter breiten und 6 Meter tiefen Überhang in einer gewaltigen Felswand. Schon kurz nach ihrer Freilassung begann «Wally» zu fressen, die Nische zu erkunden und sich zu putzen, während «Bavaria» ihre Umgebung eher zaghaft in Augenschein nahm – live in alle Welt übertragen durch eine Webcam (www.lbv.de/bartgeier-webcam).

Das Auswilderungskonzept ist erprobt, zwischen 1986 und 2020 wurden knapp 230 Bartgeier ausgewildert. Die Überlebensquote beträgt…