Bekommt die Klimakrise die mediale Aufmerksamkeit, die sie verdient? Nein, finden die australische Künstlerin Tega Brain und ihr US-Kollege Sam Lavigne. Gemeinsam haben sie ein Instrument entwickelt, das der Klimaberichterstattung im Netz zu mehr Sichtbarkeit verhelfen soll: den »Synthetic Messenger«. Im Zoom-Gespräch mit dem SPIEGEL erklären sie, welche Idee dahintersteckt.

SPIEGEL: Sie haben ein digitales Kunstprojekt veröffentlicht: Man kann 100 Bots dabei zusehen, wie sie die Werbeanzeigen in Artikeln zur Klimakrise anklicken. Warum?

Tega Brain: Als Künstler, die sich in ihrer Arbeit mit Computersystemen beschäftigen, denken wir viel über Wege nach, wie man einem Publikum den Zugang zu Technologien ermöglichen kann, die nicht zu sehen und schwierig zu verstehen sind.

Die Australierin Tega Brain arbeitet als Künstlerin und »environmental engineer«, wie sie es nennt. Ihre Arbeit dreht sich um Ökologie, aber auch um Daten und ihren Einfluss auf die Welt. Tega Brain unterrichtet als Assistant Professor an der New York University zu digitalen Medien.

Sam Lavigne ist ebenfalls Künstler und Programmierer. Der US-Amerikaner lehrt zurzeit an der School of Design and Creative Technologies der University of Texas in Austin.

Die Arbeiten der beiden wurden bereits in vielen großen Ausstellungen gezeigt, unter anderem im Whitney Museum in New York oder im Haus der Kulturen in Berlin.

Sam Lavigne: Wir wollten zeigen, wie automatisiertes Verhalten online aussehen kann, und wir wollten es entmystifizieren. Wir haben die Bots so gestaltet, dass man sie in einem Zoom-Call sehen und erleben kann, wir haben sie sogar mit Händen und Stimmen ausgestattet. Das ist natürlich nicht notwendig, damit der Mechanismus funktioniert, aber es macht die Bot-Aktivität sichtbarer.

SPIEGEL: Um welchen Mechanismus geht es?

Sam Lavigne: Hinter der Frage, worüber berichtet wird und worüber nicht, steht ja eine ökonomische Logik. Ein Artikel, der viele Klicks erzeugt, ist ein…