Als im Spätsommer und Herbst 2020 in Belarus mehr als hunderttausend Menschen gegen die Präsidentschaft von Alexander Lukaschenko auf die Straße gehen, schließen sich auch die drei Theaterleute Maryna, Pavel und Denis dem friedlichen Protest an. Der Regisseur Aliaksei Paluyan hat sie für seinen Dokumentarfilm „Courage“ begleitet, der nun bei den 71. Filmfestspielen von Berlin gezeigt wird. 

Schon 15 Jahre zuvor hatten Maryna, Pavel und Denis das Staatstheater Minsk verlassen, um am damals neu gegründeten Belarus Free Theatre zu spielen. Im aktuellen Stück, an dem sie während des Drehs zu „Courage“ arbeiten, geht es um Oppositionelle, die plötzlich verschwinden. Keine Fiktion, sondern die Realität in der ehemaligen Sowjetrepublik.

Letzte Diktatur Europas

Kunstfreiheit, Meinungsfreiheit oder freie Rede werden unterdrückt, Oppositionelle vertrieben, eingeschüchtert, gefoltert und weggesperrt. Belarus gilt heute als letzte Diktatur Europas. Seit den Dreharbeiten hat sich die Situation im Land noch einmal zugespitzt. Die Zwangslandung eines Passagierflugzeugs, um einen oppositionellen Blogger zu verhaften, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Der Regisseur Aliaksei Paluyan dokumentierte die Proteste in Belarus

„Die Nachrichten übertreffen den menschlichen Verstand“, sagt Aliaksei Paluyan im Gespräch mit der DW. Er berichtet von in der Haft Getöteten, deren Leichname den Familien verstümmelt übergeben würden. Die Schraube der Gewalt werde seitens des Machtapparats von Lukaschenko immer weiter angezogen. „Man denkt: Das kann nicht passieren im 21. Jahrhundert.“ Auf einer Pressekonferenz während der Berlinale fügt er hinzu: „Die Situation ist Alarmstufe rot.“ Und sagt im Anschluss: „Es ist Zeit, zu schreien, nicht mehr allein zu sprechen.“

Seine drei Protagonisten sind nach dem Dreh ins Exil nach Kiew geflohen, erzählt der Regisseur. Ein Schicksal, das sie mit vielen Künstlerinnen und Künstlern sowie Oppositionellen teilen. Auch die vor der…