Gottfried Böhm war der Bildhauer unter den Architekten. Seine wichtigsten Werke gleichen zerklüfteten Betongebirgen – das Rathaus im rheinischen Bensberg etwa, das er als bürgerliche Trutzburg und Stadtkrone ausformte. Oder die massive Wallfahrtskirche in Neviges. Auch sie scheint wie für die Ewigkeit in Fels gehauen. Wuchtig-expressiv wirken diese Bauten, dramatisch statt beiläufig. Keinerlei dumpfe Schwere, kein hohles Pathos: Was von außen so massiv aussieht, wirkt innen fast schwerelos. Gottfried Böhm hat den Ernst seiner Bau-Skulpturen in kristallinen Ecken und Kanten gebrochen. Wer denkt da nicht an Lyonel Feiningers Kirchenbilder mit ihren feingezirkelten Lichtprismen?

Die Böhms – Baumeister ihrer Epochen

Wallfahrtsort – auch für Architekten

Scharfkantig, spitz, massiv: Wie ein Betongebirge ragt die Wallfahrtskirche „Maria, Königin des Friedens“ in den Himmel über Neviges bei Velbert. Gottfried Böhm hat sie geschaffen. Für seine eigenwilligen, skulpturalen Beton-, Stahl- und Glasbauten erhielt der Wahlkölner schon 1986 – als bisher einziger Deutscher – den Pritzker-Preis, den „Nobelpreis für Architekten“.

Die Böhms – Baumeister ihrer Epochen

Himmelsstürmer

Wie schon bei der Wallfahrtskirche in Neviges ist auch Gottfried Böhms Rathaus in Bensberg bei Köln eine begehbare und ganz aus Sichtbeton gegossene Skulptur. Erhaben ragt der bizarre Treppenhausturm in den Himmel. Böhms rhythmische Formensprache voller Winkel und Ein-, Durch- und Ausblicken verleiht seinen Bauwerken eine oft berührende Direktheit.

Die Böhms – Baumeister ihrer Epochen

Erbaut auf den Ruinen des Zweiten Weltkriegs

Die Domstadt und ihre Geschichte prägte das Werk von Gottfried Böhm. In Köln errichtete er 1947 seinen ersten eigenständigen Bau – die Kapelle „Madonna in den Trümmern“ (s. Bild) – auf den Ruinen von St. Kolumba, zerstört im 2. Weltkrieg. 1948 heiratete Böhm die Architektin Elisabeth Haggenmüller. Aus der Ehe gingen vier Söhne hervor:…