Dank Lockdowns und Wirtschaftskrise hat Deutschland 2020 seine Klimaziele doch noch erreicht. Besonders die geringere Mobilität war gut für die CO2-Bilanz, außerdem sanken die Emissionen der Industrie wegen des schweren Konjunktureinbruchs.

Was muss passieren, damit dieser Effekt nicht wieder verpufft?

Im Stimmenfang sprechen zwei Forscher darüber, welche Lehren wir aus der Pandemie für die Klimapolitik ziehen können. Warum sind Klima-Lockdowns keine Lösung? Ist Klimaschutz jetzt erst mal nachrangig, weil wir alles nachholen, was in der Pandemie nicht möglich war? Und wo müssen Politik und Wirtschaft dringend nachsteuern?

Angesichts der Erfahrungen in der Pandemie könnten sich die Leute tiefe staatliche Eingriffe eher vorstellen, sagt Manuel Rivera vom Institute For Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam. Im Podcast berichtet er von ersten Resultaten einer laufenden Studie, die nach Transformationsimpulsen aus der Krise sucht.

»Natürlich gibt es immer auch eine Verantwortung individueller Verbraucherinnen und Verbraucher«, sagt Rivera. »Aber es gibt ganz stark die Notwendigkeit struktureller Weichenstellungen, und das hat – siehe CO2-Preis – auch schon angefangen.«

An der Studie ist auch Robert Follmer beteiligt, der Bereichsleiter Mobilitäts- und Regionalforschung beim infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft. Er befürchtet, dass der coronabedingte Emissionsrückgang »ein zu starkes Ruhekissen für die Verantwortlichen« sein könnte.

Für eine klimafreundlichere Mobilität fordert Follmer unter anderem massive Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr. Dort sei in den vergangenen Jahrzehnten viel versäumt worden. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass es in der Gesellschaft eine Transformationsbereitschaft gibt, die aber noch nicht »umgemünzt« wurde.

Die Politik dürfe es nicht nur bei guten Vorsätzen belassen wie an Silvester, sondern müsse die konkrete Umsetzung der Klimaziele definieren.

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