Zum ersten Mal seit über 140 Jahren leben in Deutschland wieder Bartgeier in freier Wildbahn. Zwei Jungvögel wurden im Rahmen eines europaweiten Wiederansiedlungsprojektes im Nationalpark Berchtesgaden ausgewildert – mehr als 100 Jahre nach dem letzten bekannten Abschuss. »Das ist ein historisches Ereignis. Wir bringen den Bartgeier zurück in einen Lebensraum, wo er hingehört«, sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber.

Darüber hinaus kommt den bayerischen Geiern eine wichtige Funktion zu: »Wir schließen damit eine Lücke in der Verbreitung«, erläuterte der Vorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz, Norbert Schäffer. Ziel sei es, irgendwann einmal eine durchgehende Verbindung der Populationen von Marokko über Italien, den Balkan und die Türkei bis nach Zentralasien zu schaffen.

Die aus Spanien stammenden, etwa hundert Tage alten Weibchen wurden von Experten zu Fuß zu ihrer Auswilderungsnische getragen – einem gewaltigen Felsüberhang, 20 Meter breit und sechs Meter tief. Darin geben zwei Kunstnester aus Zweigen und Wolle Geborgenheit. Spätestens in ein paar Tagen werden die Tiere die Felsen erkunden, hoffen Experten.

In den Westalpen wurde der Bartgeier inzwischen wieder recht erfolgreich angesiedelt. Seit 1986 wurden rund 230 Tiere ausgewildert. Die Überlebensquote beträgt im ersten Jahr 88 Prozent, im zweiten gar 96 Prozent – für in der Wildnis geschlüpfte Vögel unerreichbare Werte. Doch später geht es rapide abwärts: »Wir nehmen an, dass im Alpenraum 30 Prozent aller Bartgeier elendig an Bleivergiftung sterben«, berichtet Toni Wegscheider vom Landesbund für Vogelschutz. In Österreich treffe es sogar rund die Hälfte. »Die ersticken bei lebendigem Leib, die verhungern bei lebendigem Leib« – je nach betroffenen Organen. Die Geier nehmen das Nervengift mit Aas auf, das mit bleihaltiger Munition geschossen wurde. Auch wenn Geierreviere viel größer sind, unterstützt zumindest die Berchtesgadener Jägerschaft das Projekt und hat auf…