Kardinal Reinhard Marx bot dem Papst seinen Rücktritt an. Franziskus wollte sich Bedenkzeit nehmen. Am Ende kam alles anders als viele erwartet hatten – sogar Experten waren überrumpelt.

Gottes Mühlen mahlen bekanntlich langsam – vor allem im Vatikan. Somit ist das, was da am Donnerstag aus Rom kommt, schon allein aus zeitlichen Gründen eine kleine Sensation. 

Nichtmal eine Woche nach Bekanntwerden des Rücktrittsgesuchs des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Marx, hat Papst Franziskus mit einem klaren Nein geantwortet. Marx wollte in Folge von Missbrauchsfällen in seinem Bistum die Verantwortung mitübernehmen und zurücktreten.

«Das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising», schreibt das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Brief an Kardinal Marx, den der Heilige Stuhl am Donnerstag veröffentlicht. «Die gesamte Kirche ist in der Krise wegen des Missbrauchs; ja mehr noch, die Kirche kann jetzt keinen Schritt nach vorn tun, ohne diese Krise anzunehmen. Die Vogel-Strauß-Politik hilft nicht weiter», heißt es in dem sehr persönlichen Brief, den der Argentinier Franziskus auf Spanisch verfasst hat und der dann zunächst nur ins Deutsche, Marx‘ Muttersprache, übersetzt wurde.

Die schnelle Antwort konnte Marx kaum fassen. «Ich habe nicht damit gerechnet, dass er so schnell reagieren würde und auch seine Entscheidung, dass ich meinen Dienst als Erzbischof von München und Freising weiter fortführen soll, habe ich nicht so erwartet», teilte er in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Franziskus habe ihn damit vor eine «große Herausforderung» gestellt. Nach einem Gottesdienst am Abend in München sagte Marx, er müsse das «erstmal verarbeiten».

Einfach zur Tagesordnung übergehen: Das ist für Marx der Stellungnahme zufolge nicht denkbar….