Ohne Frage ist es eine außergewöhnliche Ausstellung, die heute in Berlin eröffnet wurde. Eine Ausstellung der Superlative: Rund 90 Künstler aus 34 Ländern, gut 400 Werke, ausgestellt in drei riesigen Hangars des Flughafens Tempelhof. Gerhard Richter, Anselm Kiefer oder Georg Baselitz sind vertreten, ebenso Šejla Kamerić und Gilbert & George, Olafur Eliasson, Monica Bonvicini, Katharina Sieverding oder Boris Mikhailov. Die Kosten: im mittleren siebenstelligen Bereich. „Diversity United“ lautet der Titel der Großausstellung, die sich ein nicht minder kleines Thema gesetzt hat: Europa.

Zugleich eine Ausstellung, die sich auch das politische Ziel der Gegenwartsbestimmung auf die Fahnen geschrieben hat. Es gehe ihnen, so schreiben es die Kuratoren, um „die Suche nach dem Wesen des komplexen, fragilen und sich wandelnden Projekts Europa“. Und der Vorsitzende des Projektbeirates, Jürgen Großmann, betont zur Eröffnung der auf Vielfalt und Multiperspektivität ausgelegten Ausstellung, dass sie „auf eindrucksvolle Weise“ zeige, dass Europa „weit mehr als die Summe politischer und ökonomischer Interessenlagen“ darstelle. „Ein besseres Mittel gegen Nationalismus und Populismus in heutigen Zeiten kann es gar nicht geben.“

Gerade die Bedeutung des letzten Satzes darf vor den jüngsten Entwicklungen nicht als eine leere Floskel abgetan werden, wie man sie sonst schon mal von Ausstellungseröffnungen kennt. Um das zu verstehen, braucht es einen kleinen Rückblick.

Eine Ausstellung „in Geiselhaft“?

Versuch der Annäherung: In der Installation von Anri Sala bewegen sich zwei Hände immer wieder aufeinander zu und voneinander weg.

„Diversity United“ war als europäisches Projekt konzipiert. Nicht nur sollten Kunstschaffende aus verschiedensten Ländern in den Ausstellungsräumen vertreten sein und gemeinsam „das künstlerische Gesicht Europas“ darstellen, wie die Ausstellung untertitelt ist. Die Ausstellung selbst sollte vielmehr durch das geografische Europa reisen. Anfänglich…