Das Verhältnis Boris Palmers zu seiner Partei war schon lange zerrüttet. Zu oft hatte er Eklats ausgelöst, Positionen vertreten, die den Standpunkten der Partei komplett entgegenstehen. Nach dem jüngsten Skandal droht dem Tübinger Oberbürgermeister nun der Rausschmiss bei den Grünen. Nun hat sich Palmer nochmals dazu geäußert.

»Ich akzeptiere sehr wohl, dass mein Kommentar misslungen ist, dass er unklug war, dass er völlig unnötigen Schaden angerichtet hat«, sagte er der Wochenzeitung »Die Zeit«. Entschuldigen wolle er sich für seine Äußerung – bei der er auf rassistische Begriffe und Zuschreibungen zurückgriff – allerdings nicht. Palmers Begründung ist bemerkenswert, sieht er sich demnach offenbar als einen aufrechten Kämpfer für die Meinungsfreiheit.

»Die Entschuldigung und das Löschen ist in Zeiten der Cancel Culture nichts anderes als den Kopf unters Joch zu halten, um selbst noch einmal davonzukommen«, sagte er. »Und ich halte den Kopf aufrecht. Ich mache das nicht.« Er werde diesen Kampf jetzt durchfechten. »Auch wenn das ein politisches Endspiel für mich sein kann.«

In den Aussagen kommt womöglich schon ein Teil der Argumentation Palmers für das Parteiausschlussverfahren zum Vorschein (mehr dazu lesen Sie hier). Es könnte für Palmer die Bühne sein, auf der er seine Partei vorzuführen versucht. Für die Parteispitze um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ist das ein erhebliches Risiko.

Im Interview mit der »Zeit« sagte Palmer über Baerbock, sie habe ihn vor ihrer sehr deutlichen öffentlichen Kritik angerufen und »ehrliches Verstehensinteresse« gezeigt. Das rechne er ihr hoch an. »Ich kritisiere Annalena Baerbock in keiner Weise«, sagt Palmer.

Er könne gut nachvollziehen, dass sie angesichts des immensen Drucks in der Partei klare Worte der Kritik finden müsse, sagte Palmer. Damit suggeriert er freilich, dass Baerbock nicht aus Überzeugung, sondern aus Kalkül handelte. Sein Satz kann zudem als Kritik an Baerbocks…