Die Menschen tauften ihn Wally – dieser acht Meter lange und etwa zwei Jahre alte Grauwal ist eigentlich im Pazifik zu Hause, wurde nun aber vor der südfranzösischen Küste im Mittelmeer gesichtet. Forscher vermuten, dass der Klimawandel die Ursache für seinen verwirrten Orientierungssinn sein könnte.

Eric Hansen, französische Behörde für Biodiversität: „Die Nordwestpassage, die den Pazifik mit dem Atlantik verbindet, wurde früher nur im Sommer benutzt wegen der Eisschmelze. Die globale Erwärmung beschleunigt die Eisschmelze, dadurch ist dieser Seeweg heute viel früher im Jahr passierbar. Wir glauben, dass dieser junge Wal einen Navigationsfehler begangen hat. Statt entlang der Pazifikküste hinab zuschwimmen, hat er die Atlantikküste genommen und Zeit verloren. Nun kehrt er Richtung Gibraltar zurück, und versucht verzweifelt zum Pazifik zurückzukehren.“

Wissenschaftler und Aktivisten beobachten Wally auf seinem Weg durch das Mittelmeer. Er scheint sich zwar größtenteils normal zu verhalten. Sie machen sich aber Sorgen wegen seines Gewichts.

Celine Tardy, Criob Forschungslabor: „Die italienischen Kollegen schätzen, dass er weniger als 37 Prozent der Körpermasse seiner Artgenossen im selben Alter besitzt. Außerdem schwimmt er sehr nah an der Küste, wir müssen dieses Tier genau beobachten.“

Wally leidet wohl großen Hunger. Denn im Mittelmeer findet er keine der wirbellosen Tierchen, die seine gewohnte Nahrung im Pazifik ausmachen. 80 bis 90 Kilometer am Tag legt er zurück, als nächstes muss er durch die viel befahrene Wasserstraße von Gibraltar. Und dann warten noch zehntausend Kilometer Heimweg auf das geschwächte Tier.