Die unkontrolliert zur Erde fallenden Überreste der bisher größten Weltraumrakete Chinas werden nach Berechnungen von Organisationen aus Europa und den USA am frühen Sonntagmorgen europäischer Zeit in die Atmosphäre eintreten. Eine exakte Absturzstelle ist laut Experten schwer vorherzusagen. Weil etwa 70 Prozent der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, ist eine Landung im Meer am wahrscheinlichsten. Die Überwachungsstelle der Europäischen Weltraumorganisation Esa erklärte am Samstag, die Gefahr eines Einschlags auf besiedeltem Gebiet sei zwar gering, aber nicht ausgeschlossen. Als sicher gilt Experten zufolge lediglich, dass die Trümmer auf einer Bahn niedergehen könnten, deren Breite sowohl Südeuropa und die USA als auch Chile und Neuseeland berührt.

China hatte sich zuletzt bemüht, die weltweite Sorge vor Schäden in besiedeltem Gebiet zu zerstreuen. Ein Großteil der Trümmer werde in der Atmosphäre verglühen, hatte das chinesische Außenministerium erklärt und Kritik etwa aus den USA zurückgewiesen, China nehme mit seiner Konstruktion ein solches Risiko leichtfertig in Kauf. In US-Sicherheitskreisen war man wegen des herabstürzenden Weltraumschrotts besorgt. »Ich denke, das spricht für die Tatsache, dass es für diejenigen von uns, die im Weltraum agieren, eine Anforderung gibt oder geben sollte, in einem sicheren und durchdachten Modus zu arbeiten«, hatte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin gesagt.

China hatte die unbemannte Rakete namens »Langer Marsch 5B« am 29. April im Rahmen seiner Weltraumaktivitäten gestartet. Die Rakete hatte das erste Modul einer neuen chinesischen Raumstation ins All gebracht. Anschließend begann der Hauptteil der Rakete, die Erde in einer unregelmäßigen Flugbahn zu umkreisen und verliert seitdem unkontrolliert an Höhe.

Nach Berechnungen der Esa-Überwachungsstelle EU Space Surveillance and Tracking (EU SST) dürften die Trümmer in einem Zeitfenster von 190 Minuten vor oder nach 04.11 Uhr mitteleuropäischer…