Archäologie
Ältester Grabfund beweist: Schon vor 80.000 Jahren liebten Menschen ihre Kinder

Künstlerische Rekonstruktion des Fundes.

von Gernot Kramper

06.05.2021, 13:02 Uhr

Das älteste Grab der Welt wurde in Afrika gefunden. Es beherbergt ein Kind, das mit viel Sorgfalt und Liebe auf seine letzte Reise geschickt wurde.

In Afrika haben Archäologen die bislang älteste Begräbnisstätte der Welt entdeckt. Ein dreijähriges Kind wurde dort sorgfältig bestattet. Der Junge – nach dem Swahili-Wort für Kind Mtoto genannt – ruhte in geschützter Embryonalhaltung mit an die Brust angezogenen Beinen. Er wurde vermutlich in ein Leichentuch gewickelt und sein Kopf auf einem Kissen gebettet, bevor der Leichnam mit Erde bedeckt wurde. „Das ist ziemlich spektakulär“, sagte Michael Petraglia, Professor am Max-Planck-Institut für die Erforschung der Menschheitsgeschichte in Jena. „Es ist die älteste menschliche Bestattung in Afrika. Es sagt uns etwas über unsere Wahrnehmung, unsere Sozialität und unsere Verhaltensweisen, und es ist uns bis heute alles sehr vertraut.“

Komplizierte Bergung

Die Menschlichkeit, die Trauer und die Fürsorge der Hinterbliebenen für ihn, sind immer noch zu spüren. Die Knochen wurden schon 2013 in Kenia entdeckt. Durch das Alter waren sie so empfindlich, dass die Ausgrabung Jahre dauerte. Die ersten Knochenstücke zerfielen zu Staub, als die Wissenschaftler versuchten, sie zu bergen. Dann wollte man die Erde von oben entfernen und die so langsam frei werdenden Knochen mit Harz stabilisieren. Aber auch das misslang. Schließlich begann das Team, den ganzen Erdblock, in dem sich das Kind befand, rundum auszugraben und den Block mit Gips einzuschließen. So wurde das Grab transportfähig. Im Nationalmuseum in Nairobi und in einem Speziallabor in Spanien konnte der Block mit einem 3-D-Röntgengerät erforscht werden.

Das Kind wurde…