Jersey liegt 150 Kilometer vor Großbritannien und nur 25 Kilometer vor der französischen Küste, ist aber britischer Kronbesitz. Durch ihre Position im Ärmelkanal finden sich auf der Insel nicht nur reichlich französische Ortsnamen – sie bezieht auch 95 Prozent ihres Stroms über ein Unterwasserkabel aus Frankreich.

Um diese Leitung ist nun Streit entbrannt, wie unter anderem der britische »Guardian« und die BBC berichten.

Vor dem Unterhaus hatte sich Fischerei-Ministerin Annick Girardin zu einem möglichen Abschalten der Stromversorgung zuletzt so geäußert: »Es würde mir sehr leid tun, wenn wir soweit gehen müssten«. Aber, so Girardin weiter, »wir werden das tun, wenn wir müssen«. Die britische Regierung habe sich zuletzt »abstoßend« verhalten.

Im Zentrum des Disputs stehen Fischerei-Rechte. Konkret die Frage, wo französische Fischer nach der neuen Brexit-Regelung ihre Netze auswerfen dürfen und wo nicht. Und dabei steht besonders Jersey im Mittelpunkt.

Am vergangenen Freitag hatten 41 französische Fischerboote eine Lizenz für Fahrten in Gewässern rund um die Kanalinsel erhalten. Allerdings, so stellt es die französische Seite dar, seien diese Lizenzen mit Einschränkungen verbunden, die vorher nicht abgesprochen worden seien.

Wer darf wann wo auf Fischzug gehen?

Unter anderem geht es dabei um die Anzahl der Tage, an denen französische Boote in Jersey-Gewässern fischen dürfen. Diese seien in manchen Fällen von rund 40 auf kaum mehr als zehn reduziert worden, klagte ein Politiker vor dem Unterhaus. Laut Ministerin Girardin sind solche Vorgaben »komplett inakzeptabel«. »Wenn wir das in Jersey hinnehmen, gefährdet das unseren Zugang zum Meer anderswo.«

Die britische Seite weist die Vorwürfe der Einflussnahme auf die Fischerei-Regelungen zurück. Im Übrigen, so heißt es aus London, sei Jersey als Kronbesitz selbst für seine Lizenzvergabe verantwortlich.

Jersey besitzt eine komplett eigene Verwaltung und eine weitgehend eigene Gesetzgebung….