TV-Kritik

„Markus Lanz“
AfD-Frontfrau Alice Weidel bei „Markus Lanz“: alles lässig, alles gaga

Vor dem TV-Studio wartet ein Polizeiaufgebot – rund 30 Protestler waren wegen Alice Weidels Auftritt bei „Markus Lanz“ gekommen

von Sylvie-Sophie Schindler

05.05.2021, 07:24 Uhr

Wenn Markus Lanz jemanden einlädt, um ihn „zu grillen“, wird er zum nervigen Querulanten. Alice Weidels Strategie: Ausweichmanöver. Im diffusen Diskussionsgeschehen demontiert sich die AfD-Frontfrau selbst.

Man fragt sich, während sie so redet und redet, warum sie dabei permanent lächelt. Sie hat lässig einen Pullover über die Schultern geworfen, die Beine lässig übereinander geschlagen, überhaupt ist alles so unglaublich lässig – ist es doch, oder? Während Alice Weidel sich bei Markus Lanz so gibt, als würde sie am liebsten in Gartenzeitschriften blättern, dann, wenn sie gerade mal nicht den Thermomix anschmeißt, also ganz auf „Ich bin bürgerliche Mitte“ macht, gibt’s vor dem Hamburger Ferhsehstudio ein Polizeiaufgebot. Der Grund sind rund 30 Protestler. Für sie ist’s ein Skandal, dass eine AfD-Frontfrau eine ZDF-Plattform bekommt.

Man kann diese Position vertreten, so wie man überhaupt alle möglichen Ansichten haben darf, auch dass Markus Lanz ein Top-Moderator wäre – allerdings müsste man dann schon blind sein für seine penetranten Talk-Manöver. Um seine Querulanten-Attitüde „Ich quatsche meinen Gästen rein, wann und wie’s mir passt“ zu zelebrieren, holt er sich, auch das hat Tradition, dann und wann Sidekicks – am Dienstagabend war das „Spiegel“-Redakteurin Ann-Katrin Müller, die die verbale Reingrätsch-Quote munter nach oben trieb. Allein: Wenn Müller „Lüge“ ruft und Weidel später „Quatsch“, dann muss man über Stilnoten nicht streiten.

Ein diffuses Diskussionsgeschehen

Dabei muss dieser Aufwand – wie etwa synchron auf die Antagonistin einreden –…