Der Ort, der einst Teil der französisch-amerikanischen Luftbrücke war, musste sich zuletzt mit der Rolle als Notreserve begnügen. Nach einem halben Jahr der sogenannten Bereitschaftsphase schlägt dem früheren Berliner Flughafen in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch die letzte Stunde. Um Mitternacht endet die Betriebspflicht des Flughafens mit dem charakteristischen sechseckigen Hauptterminalgebäude in Berlins Norden. Er ist dann im rechtlichen Sinne kein Flughafen mehr.

Das letzte Passagierflugzeug, eine Air France in Richtung Paris, war bereits am 8. November abgehoben. Eine Woche zuvor war der neue Flughafen BER in Schönefeld eröffnet worden, über den der Flugverkehr in der Hauptstadtregion seitdem abgewickelt wird.

Tegel musste noch für ein halbes Jahr betriebsbereit bleiben, sollte es am BER Probleme geben. Doch angesichts der niedrigen Passagierzahlen in der Coronakrise musste der alte Flughafen kein einziges Mal reaktiviert werden. Die hässliche, funktionelle Anlage, die den Charme alter Karstadt-Filialen aus den Siebzigern versprüht, diente in den vergangenen Monaten vor allem als Corona-Impfzentrum.

Bis August sollen nun nach und nach das Gelände und die Gebäude an das Land Berlin übergeben werden. Dann kümmert sich die landeseigene Tegel Projekt GmbH um die Weiterentwicklung des Areals: In das ikonische Hauptterminal soll dann die Beuth-Hochschule für Technik einziehen. Die Gesellschaft will außerdem rund 5000 neue Wohnungen in Holzbauweise sowie einen Technik- und Industriepark auf dem Gelände errichten.

Die Tegel-Architektur ist ein Entwurf der Architekten Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg. Baustart war 1970, Einweihung vier Jahre später. Seitdem ist die Zahl der Fluggäste bis zum Einbruch in der Coronakrise fast kontinuierlich gestiegen und hat Dimensionen erreicht, für die das Gebäude schon lange nicht mehr konzipiert war: Von den rund 36 Millionen Fluggästen in Berlin im Jahr 2019 reisten rund 24 Millionen über Tegel.