1. Machtfragen

May the 4th be with you: Einen frohen »Star Wars«-Tag wünscht mir heute ein guter Freund und schickt mir dazu ein Foto, auf dem das »Raumschiff Enterprise« prangt. Er weiß natürlich, dass mich wenig Dinge mehr ärgern, als wenn jemand »Star Trek« und »Star Wars« verwechselt. Ich bin da strenger als Markus Söder. Der scheint popkulturell ebenso flexibel wie politisch. »Ich bin großer Science-Fiction-Fan: ›Star Trek‹ und ›Star Wars‹. Das geht übrigens beides zusammen, ist kein Ausschluss«, behauptete der Doch-Nicht-Kanzlerkandidat mal.

Seine Corona-Politik inszeniert Söder mit den Mitteln der jüngsten »Star Wars«-Fortsetzungen – inhaltlich wenig Neues, dafür lauter, dröhnender, bessere Effekte, wie sich heute wieder zeigt. »Die Bundesregierung kann sich sputen, wie sie will – Söder ist immer schon da, wo sie in Berlin noch hinwollen«, sagt mein Kollege Sebastian Fischer, Leiter unseres Hauptstadtbüros. Entgegen der ursprünglichen Planung kommen die Lockerungen für Geimpfte nun nicht erst Ende Mai, sondern die Verordnung soll noch diese Woche durch Bundestag und Bundesrat, das Bundeskabinett hat die Pläne heute gebilligt. So dass die ersten Menschen in Deutschland außerhalb Bayerns bereits am Wochenende viele ihrer alten Freiheiten zurückhaben werden. Söder war einen Tick schneller: In Bayern gilt das Freiheitspaket bereits ab Donnerstag für vollständig von Corona-Erkrankungen Genesene, zweifach Geimpfte und negativ Getestete. »Der Söder-Staat ist zwei Tage schneller als Deutschland – the show must go on«, sagt Sebastian.

Schon als Ende April der Bund-Länder-Impfgipfel keinen konkreten Beschluss zur Rückgabe der Freiheitsrechte an Geimpfte und Genesene fasste, erkannte Söder die Lücke, preschte vor und hob in Bayern kurzerhand die Testpflicht für Geimpfte auf. »Andere Bundesländer wollten ebenfalls nicht auf den Bund warten – warum zögerte der überhaupt? – und machten es wie Söder«, sagt Sebastian. »Nur:…