Finanznot wegen Lockdown
Vor der Corona-Pandemie kerngesund – Modekette Adler appelliert verzweifelt an die Politik

Der Lockdown hat die Modermärkte Adler in eine tiefe Krise gestürzt. Denn die Klientel des Unternehmens shoppt lieber vor Ort und nicht so gern im Internet.

© Frank Leonhardt / DPA

Die Adler-Modemärkte sind in der Corona-Pandemie in finanzielle Not geraten. Doch die Bitten der Manager um einen staatlichen Kredit stoßen auf taube Ohren.

Die wegen der Coronakrise in Schwierigkeiten geratene Adler Modemärkte AG fühlt sich in der Pandemie von der Bundesregierung im Stich gelassen. Geld aus der staatlichen Überbrückungshilfe III – dem zentralen Hilfsprogramm des Bundes – stünden dem Unternehmen trotz unverschuldeter Finanzprobleme nicht zu, sagte Vorstandschef Thomas Freude am Dienstag. Firmen bekommen darüber Zuschüsse zu betrieblichen Fixkosten. Das Unternehmen aus Haibach bei Aschaffenburg mit etwa 3200 Mitarbeitern befindet sich seit Januar im Prozess einer Insolvenz in Eigenverwaltung.

Freude zufolge war Adler vor der Corona-Pandemie kerngesund. „Wir hatten keinerlei Bankverbindlichkeiten.“ Durch das staatlich verordnete Schließen der mehr als 140 deutschen Standorte habe Adler seit März 2020 allerdings rund 280 Millionen Euro Umsatz eingebüßt. Das Onlinegeschäft könne dies kaum auffangen, auch weil die Kernzielgruppe 50 plus lieber in einem Laden einkaufe als im Internet.

Zwar sei ein sogenannter Massekredit – der Kreditgeber steht dabei in der Liste der Gläubiger ganz weit oben – in Höhe von 20 Millionen Euro aufgenommen worden, dieser sei aber nicht beliebig erhöhbar. Adler benötige zusätzlich ein Darlehen aus Berlin in Höhe von rund 10 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Das ist der staatliche Rettungsschirm in der Coronakrise. Es gehe nicht um Geschenke, das Geld werde mit Zinsen zurückgezahlt, sagte Freude.